"Frischer Wind in der NPD"
So überschreibt der ehemalige CDU´ler und nach Intermezzos
beim Bund Freier Bürger und der DVU zur NPD übergewechselte Pressesprecher der
NPD-Fraktion im sächsischen Landtag, Thorsten Thomsen, seinen in der
Januar-Ausgabe der Parteizeitung “Deutsche Stimme” erschienenen Bericht über
den 33. ordentlichen Bundesparteitag der Nationaldemokraten. Besagter Parteitag
fand im vergangenen Jahr nach langem juristischen Tauziehen um einen Tagungsort
am 13. November in Neuruppin statt und bescherte der NPD erstmals seit 15
Jahren wieder einen neuen Bundesvorsitzenden. Nämlich Thomsens Chef in der
sächsischen Fraktion, Holger Apfel, der sich mit seinem Konzept einer nicht
näher definierten “seriösen Radikalität” gegen Udo Voigt deutlich mit 126 zu 85
Stimmen bei der Wahl des Parteivorsitzenden durchsetzen konnte.
Wie nicht anders zu erwarten, räumt Thomsen in seinem Bericht den Ausführungen
seines Brötchengebers breiten Raum ein und erläutert hier und da etwas genauer,
was Holger Apfel seinen Parteikollegen auf dem Parteitag zu vermitteln suchte.
Business as usual, würden die Amerikaner sagen. Alles wie gehabt eben.
Allerdings findet sich in Thomsens Beitrag auch der nachfolgend eins zu eins
wiederholte Satz, der einen Teil aus einer Rede Apfels auf dem Parteitag
wiedergibt :
“Zu extremen Auswüchsen am rechten Rand (zu nennen wären hier bspw. Arnulf
Priem und die Gruppen um Axel Reitz) müsse ebenso Distanz gewahrt bleiben wie
zu Parteien, die ihr Heil darin suchten, durch einseitige Parteinahme für
Israel der Stigmatisierung als Rechtsextremisten zu entgehen”.
Diese Ausführungen sind durchaus interessant. Manch einer mag in ihnen die
verbale Umsetzung der von Apfel geforderten “seriösen Radikalität” erkennen und
es begrüßen, dass nun endlich in der Partei für klare Fronten gesorgt wird.
Aber so verhält es sich nicht, auch wenn Holger Apfel und seine Getreuen aus
nachvollziehbaren Gründen gerne den Eindruck vermitteln möchten, dass dem so
wäre. Vielmehr ist diese Aussage ein klarer Ausdruck von Apfels politischem
Kalkül. Und alles andere als frisch oder neu. Denn die dahinterstehende Absicht
ist alt, uralt.
Divide et impera – Teile und herrsche.
Diesen noch heute populären Ratschlag gab Machiavelli 1532 den Medici in seinem
Buch “Der Fürst” mit auf den Weg. Ein gebildeter Mann wie Holger Apfel wird
diesen Ausspruch sicherlich kennen, auf jeden Fall beherzigt er ihn in seinem
Umgang mit den parteifreien Kräften des nationalen Lagers. Denn für Holger
Apfel steht nicht “die gemeinsame Sache” oder ein anderes Übereinstimmung und
Zusammengehörigkeit suggerierendes Konstrukt im Vordergrund, sondern nur das
Fortkommen seiner Partei und seiner eigenen Person.
Und weil Holger Apfel um die gravierenden Schwächen seiner eigentlich nur im
mitteldeutschen Raum wirklich handlungsfähigen Partei bestens Bescheid weiss,
versucht er den parteifreien Widerstand auseinander zu dividieren. Er möchte
schließlich nicht, dass die außerparlamentarischen Aktivisten mehr als nur den
“vorpolitischen Raum” für sich beanspruchen. Die “richtige” Politik möchte die
hohen Herren der NPD am liebsten alleine und ohne lästige Einmischungen von
unbequemen Freien betreiben. Also nehmen Apfel und Co. Einteilungen vor.
Marionetten zieht man an Leitfäden.
Nicht umsonst wurde von der Partei angekündigt, einen “Leitfaden” für den
Umgang mit parteifreien Kräften erstellen zu wollen, in dem festgelegt werden
soll, mit welchen die Parteigenossen zusammenarbeiten dürfen und mit welchen
nicht. Für die Vergabe der Prädikate wird dabei nicht etwa der Grad an
”Seriosität” bzw. “Radikalität” ausschlaggebend sein, sondern primär der
Umstand, ob man der NPD dienstbar ist und den Herrschaftsanspruch der Partei
anerkennt oder ob man dieser kritisch oder womöglich sogar ablehnend
gegenübersteht.
Es natürlich das gute Recht der NPD, für sich sebst zu entscheiden, mit wem sie
Bündnisse eingehen und zu wem sie lieber Abstand halten möchte. Allerdings
sollte dabei niemand den Fehler begehen und die von den NPD-Oberen erlassenen
Richtlinien und Entscheidungen einfach so hinzunehmen. Denn diese
Entscheidungen werden aus reinem Eigennutz und nach parteipolitischen
Gesichtspunkten gefällt! Der NPD geht es ausschließlich darum, was für sie
nützlich ist und nicht darum, was einem imaginären gemeinsamen Wollen dienlich
sein könnte.
Was in der Partei geschieht muss also gerade von parteifreien Kräften kritisch
hinterfragt und gegebenenfalls deutlich angeprangert werden, so wie es das
Freie Netz Süd in einem Beitrag getan hat, als der parteifreie Aktivist Martin
Wiese und der ehemalige Leiter einer nach ihm benannten Wehrsportgruppe,
Karl-Heinz Hoffmann, vom neuen Bundesvorstand unter Holger Apfel zu
unerwünschten Rednern auf Veranstaltungen der NPD erklärt wurden.
Gute und schlechte Radikale
Warum wurde über Wiese und Hoffmann ein parteiamtliches Redeverbot verhängt?
War das Verhalten der beiden nicht “seriös” genug oder hatten sie sich auf
NPD-Versammlungen etwa zu extrem gebärdet? Weder noch. Wiese und Hoffmann
wurden für die NPD-Führung unbequem, da ihre Vergangenheit in den Systemmedien
hätte dazu benutzt werden können einen angebliche Verbindung der Partei zu
vermeintlich “rechtsterroristischen” Strukturen herbeizufantasieren. Bevor der
Medienrummel rund um die sogenannten “Dönermorde” der sogenannten “NSU” losging,
waren Wiese und Hoffmann freilich noch gern gesehen Gäste auf
NPD-Veranstaltungen und im parteieigenen DS-Verlag wurde sogar Hoffmanns Buch
über das Oktoberfestattentat von 1980 groß beworben und selbstredend auch
vertrieben.
An ihrer Vergangenheit alleine kann es also nicht liegen. Denn da gäbe es noch
ganz andere Kandidaten in den höchsten Kreisen der Partei, die der
Systemjournaille ausreichend Futter für wüste Spekulationen über vermeintliche
Gewaltverstrickungen der NPD liefern könnten.
Da wäre zum Beispiel der neue Bundesorganisationsleiter der Partei, Patrick
Wieschke, der wegen Anstiftung zu einem Sprengstoffanschlag in Eisenach eine
mehrjährige Haftstrafe verbüßte. Oder Maik Scheffler, seines Zeichens
Landesorganisationsleiter und frischgekürter stellvertretender
Landesvorsitzender der NPD in Sachsen, dem unterstellt wird, im damaligen Forum
des von ihm dominierten Freien Netz dazu aufgerufen zu haben Polizeiwachen
abzufackeln.
Der Unterschied zwischen Wiese und Hoffmann auf der einen und Wieschke und
Scheffler auf der anderen besteht darin, dass die Einen eigenständig und für
Holger Apfel nicht kontrollierbar agieren, während die Anderen sich von ihm
haben vereinnahmen lassen. Mit “guter” und “schlechter” Radikalität oder
“extremen Auswüchsen” hat das alles rein gar nichts zu tun. Das sind lediglich
Floskeln, die der Verschleierung der wahren Absichten und Hintergründe dienen
sollen.
Wir sehen also, nicht die Interessen der nationalen “Bewegung” sind
ausschlaggebend für die Distanzierungen, sondern eiskaltes Machtdenken. Nicht
anders verhält es sich, wenn die Partei sich nun von mir, bzw. den “Gruppen um
mich” abgrenzt. Auch wenn ich keine persönliche Gefolgschaft besitze und auch
nicht einer oder mehreren Gruppen vorstehe, so wie es die Aussage in der
“Deutschen Stimme” suggeriert, möchte ich dazu doch gerne ein paar Worte in
eigener Sache verlieren.
Wechsel ist das Los des Lebens, und es kommt ein anderer Tag.
Natürlich bin ich nicht mit allem einverstanden, was in der Partei geschieht,
und genauso wie mir einige NPD´ler mit Vorbehalten und Skepsis begegnen, bin
ich auch nicht jedermanns Freund, der sich unter der Fahne der Partei
eingefunden hat, aber dessen ungeachtet halte ich kameradschaftlichen Kontakt
sowohl zu verschiedenen regionalen Verbänden als auch zu einzelnen Funktionären
und Mitgliedern. Die Behauptung, ich würde der NPD feindlich gegenüberstehen
ist genauso unzutreffend wie das Bild, welches einige patentiert
“Politikfähige” von mir zu zeichnen suchen. Ich bin nicht der ständig “S***
Heil” brüllende Extremist und Polit-Clown, zu dem aus Gründen der politischen
Hygiene Distanz gewahrt werden muss. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Vor anderthalb Jahren war ich der NPD noch gut genug, um als Redner auf ihren
Veranstaltungen, Kandidat und Wahlkampfhelfer zu fungieren. Und auch in meinen
Beiträgen als Gastautor in der “Deutschen Stimme” waren keine “extremistischen
Auswüchse” zu finden. Als Direktwahlkandidat der NPD habe ich bei der letzten
Bundestagswahl in meinem Wahlkreis sogar 1,5% der Stimmen geholt, wohlgemerkt
0,5% mehr als die Partei im Kreis und auch im Landesdurchschnitt, der bei 1%
lag. Das ist natürlich kein Grund zu frohlocken und in Jubelarien auszubrechen,
es zeigt aber, daß mit meiner Kandidatur keine negativen Folgen für den Ausgang
der Wahl entstanden sind, womit eines der am häufigsten von sog.
„Politikfähigen“ gegen mich ins Feld geführten Argumente entkräftet sein
dürfte. Auch der Kontakt mit den Bürgern anläßlich der durchgeführten
Flugblattverteilaktionen und Infostände im Wahlkampf verlief durchweg positiv
und das in vielen Fällen gerade aufgrund meines “extremistischen”
Bekanntheitsgrades.
Fehler sind dazu da, um gemacht zu werden.
Mein “Fehler” ist aber, dass ich nie einen Hehl aus meiner Einstellung zur Parteipolitik
im allgemeinen und der NPD im besonderen gemacht habe. Für mich sind nationale
Parteien nichts anderes als Werkzeuge im Kampf um eine neue Ordnung. Namen und
bestimmte Organisationsformen bedeuten mir nichts, sie erhalten ihren Wert oder
Unwert für mich alleine durch ihre Wirksamkeit und ihren Nutzen. Darüber hinaus
war und bin ich kein Freund von weichgespülten Verrenkungen.
Ich war, bin und bleibe nationaler Sozialist und glaube, dass nur das
rückhaltlose, deutliche und klare Bekenntnis zur Notwendigkeit einer radikalen,
sprich tiefgreifenden Veränderung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens
einmal eine Wende wird herbeiführen können. Für mich sind eine Handvoll
Aktivisten mehr wert als ein Haufen Wählerstimmen. Und das Primat in der nationalen
Politik gehört nach meinem Dafürhalten nicht Parlamentariern und
Plüschsofarevolutionären, sondern denjenigen, die auf der Straße, inmitten des
Volkes für Deutschland und nicht für Parteiinteressen eintreten.
Deshalb bin ich für das von mir wenig geliebte Klientel ein lästiger
Kritikaster, dem am besten mit den Methoden des Systems beigekommen werden
kann: Anstatt sich auf eine konstruktive Diskussion über Inhalte, Werte und
Ziele einzulassen, stigmatisiert und verunglimpft man lieber. Damit kann ich
leben. Ich habe schon immer polarisiert und mir wohl mehr Feinde als Freunde in
den nunmehr 16 Jahren meiner politischen Tätigkeit gemacht, da bin ich
harschere Worte als die vom lieben Herrn Apfel und seiner Freunde gewohnt. Aber
es geht nicht um mich. Denn Holger Apfel bzw. sein Pressesprecher Thomsen
sprechen expressis verbis von “Gruppen um Axel Reitz”. Und damit sind eine
Reihe von freien Aktivisten gemeint. Aktivisten, die vielleicht nur anläßlich
einer einzelnen Aktion mit mir zusammengearbeitet haben, und vielleicht auch
solche, denen völlig grundlos eine Nähe zu mir angedichtet wird.
Partei muß zur Bewegung werden.
Wer jetzt einen Boykottaufruf oder ähnliches als Reaktion von mir erwartet, den
muß ich leider enttäuschen. Wie etwas weiter oben schon ausgeführt, sehe ich
die Partei als Werkzeug im Kampf um Deutschland. Und solange das Werkzeug
funktioniert, besitzt die NPD zweifelsohne eine Existenzberechtigung. Damit es
aber funktioniert, sind wir alle gefragt, Parteiangehörige und Parteifreie. Die
ehrlichen Aktivisten in der NPD müssen den Fehlentwicklungen und
Spaltungstendenzen innerhalb der Organisation entgegen treten, nach
Möglichkeiten Positionen besetzen, den revolutionären Geist der
Uneigennützigkeit und Vernunft in die Reihen der Parteigenossen tragen und
dort, wo das nicht möglich ist, auch imstande sein Konsequenzen zu ziehen. Die
freien Zusammenhänge aber müssen verstärkt an ihrem eigenen Profil und ihrer
Selbstpositionierung arbeiten, um nicht zu einem Anhängsel der NPD degradiert zu
werden, das im “vorpolitischen Raum” verkümmert. Die NPD braucht den freien
Widerstand mehr als es umgekehrt der Fall ist!
Die Zukunft Deutschlands wird ganz sicher nicht von einer Partei gestaltet
werden, sondern von einer in vielfältigen Formen agierenden politischen Kraft,
die imstande sein muss, das vorhandene Potential von Unzufriedenen und nach
Alternativen Suchenden zu einer echten Bewegung zu formen. Diese Bewegung darf
nicht im Parlamentarismus fußen und auch nicht im Gebilde einer Partei beheimatet
sein, sondern muß im ganzen Volke verankert werden und ohne fest Stukturen
überleben können! Die NPD kann diesem Ziel dienen oder sich selbst überleben.
Axel W. Reitz
Pulheim, den 30.01. 2012