Artikelreihe zum Thema Faschismus:
Die Geschichte des Faschismus
von Alexander Roth
In diesem Artikel verschaffen wir uns einen Überblick über
die Geschichte des Faschismus von der Gründung der Bewegung über den
Bürgerkrieg zum Marsch auf Rom, vom Aufbau des faschistischen Staates über die
Kriegszeiten zum Niedergang, und schließlich von der Befreiung Mussolinis über
die Italienische Sozialrepublik zum Ende des Duce.
1883 geboren, war Mussolini schon in jungen Jahren politisch
aktiv und versuchte seine italienischen Arbeitskollegen in der Schweiz zu
organisieren, hielt Reden und legte sich sowohl mit bekannten
Sozialistenführern als auch mit der schweizerischen Polizei an, die ihn am Ende
auswies. Ähnliche Aktivitäten mit eigenen sozialistischen Thesen in
Südfrankreich und nationalistischen Artikeln in Österreich führten ebenfalls
zur Abschiebung. In seine Heimat Predappio-Forli zurückgekehrt, wurde er schon
1911 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er als sozialistischer Redakteur
die Arbeiter aufgewiegelt haben soll, so daß es während eines Streiks
zahlreiche Tote und Verwundete gab.
Im Jahr 1914 brach er aus Anlaß seiner Befürwortung des
Krieges endgültig mit der Sozialistischen Partei, um sich mit der Gründung der
eigenen neuen Zeitung "Popolo d'Italia" (das Volk Italiens) nur noch
für die Verbreitung seiner eigenen Ideale einzusetzen. Schon im Jahr darauf
stand er bereits an der Front und wurde 1917 durch eine Granatexplosion schwer
verwundet.
Gründung der faschistischen Bewegung
Abgesehen von Vorläufern trat der Faschismus erstmals am 23.
März 1919 in Mailand auf, in Form der von Mussolini gegründeten Kampfbünde, der
Fasci di Combattimento, damals gerade einmal 150 Mann stark. Die Kampfbünde
waren keine neue Partei: "Wir haben keine Statuten. Unser Programm sind
die Lebensinteressen unseres Volkes." Mussolini rief zum revolutionären
Kampf für ein besseres Italien auf und riß damit Menschen aller Klassen aus dem
Nachkriegschaos in seine Bewegung mit. Die Fasci di Combattimento wurden straff
organisiert, sie trugen schwarze Hemden als Zeichen ihrer Entschlossenheit und
übernahmen den antiken römischen Gruß durch Heben des rechten Armes-
Bürgerkrieg
Das Ziel der faschistischen Kampfbünde war, die mit Gewalt
und terroristischen Aktionen verbundene Herrschaft kommunistisch gesteuerter
Verbände zu brechen, da Gewerkschaften und Landarbeiterverbände völlig unter
dem Befehl der Marxisten standen. Durch den Zustrom breiter Massen insbesondere
aus der ärmeren Bevölkerung zum Faschismus, sahen die Kommunisten ihre Felle
davonschwimmen und wurden immer rabiater. Die Auseinandersetzungen zwischen
Kommunisten und Faschisten wurden immer brutaler und die faschistische Bewegung
hatte über 500 Gefallene zu verzeichnen. Die entscheidende Niederlage der Marxisten
war der gescheiterte Generalstreik vom Sommer 1922, der von den Faschisten
erfolgreich massiv bekämpft wurde.
Schon Ende 1921 hatte Mussolini die lokalen Aktionsgruppen
und Fasci di Combattimento in die Partei Partito Nazionale Fascista zusammengefaßt.
Zu diesem Zeitpunkt konnte die faschistische Bewegung schon 615 Syndikate, 135
Genossenschaften und natürlich die zahlreichen schlagkräftigen milizartigen
Kampfgruppen vorweisen, die "gegen alle Elemente der inneren
Zersetzung" kämpften. Ursprünglich im Widerstand gegen den Kommunismus
gewachsen, breitete sich die faschistische Bewegung nicht nur in den Städten,
als eigentliche Kampfstätten, sondern auch auf dem Land aus.
Marsch auf Rom
Nun wurde der Ruf hunderttausender Faschisten laut: "a
Roma!" (nach Rom) und Mussolini bereitete einen Marsch auf die Hauptstadt
vor. Am Vorabend ging es los: In ganz Norditalien besetzten Faschisten
öffentliche Gebäude, Rathäuser, Polizeidienststellen, Postämter und Bahnhöfe.
Am 28. Oktober 1922 marschierten zehntausende Schwarzhemden aus allen Teilen
Italiens auf Rom. Der Marsch ist als Mischung eines symbolischen Aktes mit
einer tatsächlichen Machtdemonstration zu verstehen und verfehlte seine Wirkung
nicht:
Der von den Regierenden geplante Ausnahmezustand wurde nicht
ausgerufen, die königliche Armee leistete nicht den befürchteten Widerstand und
verbrüderte sich mit den Faschisten, der König sah sich am Mittag des Tages
gezwungen, Mussolini mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Am nächsten
Morgen marschierten die Faschisten in die Stadt ein. Es war ein Marsch von
Arbeitern, Bauern, Künstlern, Unternehmern und Frontkämpfern, mit Fahnen und
Standarten die Einheit ihres Willens zeigend. Mussolini stellte sich an die
Spitze des Revolutionsheeres und führt den fünf Stunden währenden Marsch am
Sitz des Königs vorbei zum Monument für die Gefallenen früherer Kriege, wo der
Siegeszug in einem Spalier der königlichen Armee endete. Der von den Marxisten
aufgerufene Generalstreik blieb ohne Resonanz und so konnten Mussolini und
seine faschistische Bewegung ihre Arbeit an der Spitze des italienischen
Staates beginnen.
Aufbau des Staates
Der Kampf gegen den Unstaat war beendet, jetzt begann die
Arbeit für den Aufbau des faschistischen Staates, einem im besten Sinne des
Wortes totalitären Staat, der alle Facetten des Lebens der Nation beherrschte
und fortwährend zum Fortschritt der faschistischen Revolution mobilisierte. Bis
1924 waren fast 2000 neue Gesetze, Verordnungen und Anweisungen ergangen, die
aus dem bisherigen bürokratischen Schlendrian eine funktionierende Verwaltung
machten. Bis 1929 hatte Mussolini 60.000 Bittsteller empfangen und 1.887.112
Vorlagen geprüft, seine Schaffenskraft schien unendlich.
Die selbstauferlegte Arbeitsfülle und den Einsatz verlangte
Mussolini auch von seinen Mitkämpfern: Er führte eine Säuberungsaktion in der
gewaltig gewachsenen Partei durch und befreite sie von Opportunisten, Egoisten
und Quertreibern. Die verschiedenen Kampfgruppen der Partei wurden bereits 1923
in die "Milizia Volontaria per la Sigurezza Nazionale (MVSN)",
freiwillige Miliz für die nationale Sicherheit, eingeordnet, in
Spezialeinheiten gegliedert, teilweise kaserniert, und damit ein
schlagkräftiges militärisches Instrument neben der faschistischen Partei
geschaffen.
Die Partei selbst schuf Organisationen für Frauen, für die
Jugend, für Reiter, für Flieger und andere. Mussolini erkannte, daß Menschen
zur Routine und Trägheit neigen, je länger sie ein Amt verwalten. Seine
Revolution aber lebte von der Dynamik und so führte er das System der
"Wachablösung" ein, eine Art Rotation in allen wichtigen
Führungspositionen, die ständig neue Ideen und Perspektiven ermöglichte.
Um die Regierungspolitik bis in die kleinsten staatlichen
und kommunalen Gebilde wirksam zu machen, wurden Präfekturen, Provinzial- und
Gemeindeverwaltungen mit großen Vollmachten ausgestattet. Diese regionalen
Einheiten des Staates konnten in weitgehender Souveränität wirken und die
politische Zerrissenheit Italiens überwinden. Mit dem 1925 gegründeten "Opera
Nazionale Dopolavoro" wurde sinnvolle Freizeitgestaltung für Millionen
Italienern organisiert und ihnen der Zugang zum geistigen und kulturellen Leben
ermöglicht. An Stelle der Gewerkschaften waren jetzt Syndikate getreten, in
denen eine Kooperation aller sozialen Gruppen den Klassenkampf ablöste. Ein
Gesetz von 1926 legitimierte die Syndikate als ständische Organisation und
alleinige Repräsentanz der von ihnen vertretenen Berufe und Lebensbereiche. Die
13 Syndikate umfaßten Arbeiter und Arbeitgeber, Künstler, Ärzte,
Wissenschaftler und Freiberufler. Sie erhielten das Recht, gegenseitige
Tarifverträge abzuschließen, Streiks aber auch Aussperrungen wurden verboten,
Streitfälle vor Appellationsgerichte geschlichtet und entschieden.
In der neuen Arbeitsverfassung "Carta del Lavoro"
von 1927, die neben Gesetzesbestimmungen auch Richtlinien für die zukünftige
Gesetzgebung und Politik enthielt, manifestierte sich das ständische Ideengut
des Faschismus. Hierin wurden die moralischen und ethischen Grundsätze einer neuen
Sozialpolitik ebenso ausführlich niedergelegt wie die Rechte und Pflichten der
Schaffenden: Recht auf Arbeit, Lohnregelungen, Sozialmaßnahmen,
Ausbildungsfragen und vieles mehr wurde darin festgelegt. Als Ergänzung der
Syndikate wurden staatliche Korporationen geschaffen. Sie beschäftigten sich
mit den organisatorischen Voraussetzungen für Produktion und Produktivität und
leiteten die Produktion.
Aber auch auf anderen Gebieten gelangen Mussolini und seiner
faschistischen Bewegung große Fortschritte: Allein die Verkehrsverbindungen den
gewaltig steigenden Anforderungen der Wirtschaft anzupassen, verlangte
planerische Weitsicht und technischen Avantgardismus. Den Eisenbahnen
gleichberechtigt wurde ein Straßennetz über ganz Italien ausgebaut, Häfen und Flugplätze
wurden aus dem Boden gestampft. Mit gewaltigen Anstrengungen wurde die
wirtschaftliche Unabhängigkeit, die Autarkie Italiens, angestrebt. Man suchte
und fand Ersatz für nicht vorhandene Rohstoffe, die Chemie entwickelte aus
einheimischen Produkten völlig neue Materialien.
Gleichzeitig wurde der Bauernstand aufgewertet, die
Landflucht gestoppt und die Urbarmachung riesiger Moorgebiete in Angriff
genommen. Ziel war es, die Ernährung der rasch wachsenden Bevölkerung zu jeder
Zeit sicherzustellen. Mit der Trockenlegung der Sümpfe rings um Rom wurde neben
der Ertragssteigerung auch ein Sieg über Krankheiten errungen, insbesondere der
Malaria und des Schwarzfiebers. Neue Städte und Siedlungen mit modernen Anlagen
entstanden dort.
Auch das gesamte Gesundheitswesen wurde von Grund auf
erneuert, die Ausbildung der Ärzte und der medizinischen Helfer wurde erheblich
verbessert. Überall, auch in kleinen Ortschaften, entstanden Kliniken und die
medizinische Flächenversorgung wurde gewährleistet. Zudem überzeugte Mussolini
die katholischen Italiener, als er 1929 die Lateranverträge mit der
katholischen Kirche schloß und damit den Vatikan als eigenständigen Staat
anerkannte.
Kriegszeiten
Beim Fortschritt auf allen Gebieten des italienischen
Staates versuchte Mussolini auch die Streitkräfte zu modernisieren. Der
Grundsatz lautete: "Der Faschist und besonders der Soldat darf nicht an
ewigen Frieden glauben." Mussolini hatte die alte Größe des Römischen
Reiches im Blick und setzte zunächst die Durchsetzung der Interessen Italiens
im Mittelmeerraum zum Ziel: "Wir sind ein Mittelmeer-Volk. Unser Schicksal
lag und liegt auf dem Meer." Nachdem alle Bemühungen auf
Abrüstungskonferenzen zum Ausgleich der Flotten an der Starrheit der Engländer
gescheitert waren, begann der Ausbau der veralteten Marine, der aber viele
Jahre in Anspruch nehmen sollte. Daher hatte Mussolini die Idee, diese
Übergangszeit durch den Aufbau einer modernen Luftwaffe zu überbrücken. Er
erkannte die strategische Bedeutung der Luftwaffe und forcierte den Aufbau mit
den Worten: "Unsere Luftwaffe muß so stark werden, daß das Dröhnen ihrer
Motoren jeden anderen Lärm übertönt".
Die militärischen Operationen der italienischen Armee waren
insgesamt nicht erfolgreich: Die Feldzüge gegen die Engländer in Nordafrika und
gegen Griechenland scheiterten und konnten nur durch das Eingreifen der
deutschen Wehrmacht gerettet werden. Sogar der Angriff gegen das bereits
geschlagene Frankreich blieb in den Alpen stecken. Die vernichtenden Ergebnisse
der italienischen Kriegsführung sind vor allem mangelnder strategischer Planung
und maßloser Selbstüberschätzung zuzuschreiben, so daß der Bündnispartner
Italien für Deutschland militärisch und wirtschaftlich eher Belastung als Hilfe
war. Allein von 1940 bis Mitte 1942 unterstützten die deutschen Lieferungen
Italien erheblich: 40 Millionen Tonnen Kohle, 2 Millionen Tonnen Metall,
421.000 Tonnen Motorenöl und 1.500 Flak-Geschütze seien hier als Beispiele für
die imponierende Hilfe genannt.
Der Niedergang
Die italienische Armee war in ihrer Substanz getroffen: In
Afrika und Rußland waren die besten Divisionen geblieben, der Balkan und
Südfrankreich banden über 30 Divisionen, die nun im Abwehrkampf gegen eine
alliierte Invasion des italienischen Festlandes fehlten. Zudem waren die Küsten
Italiens ohne Befestigungen, also völlig ungeschützt. Der Marine fehlte
Treibstoff und Schiffsneubauten als Ersatz für versenkte Einheiten waren wegen
Materialmangels kaum möglich.
In der Armee griffen Defaitismus und Desertion um sich,
Desorganisation und Sabotage folgten. Mit dem Ruf nach Frieden um jeden Preis
wuchs die Ablehnung gegen den Faschismus und den inzwischen glücklosen Duce.
Die Niederlagen des Faschismus und Italiens steuerten nun auf ihren Höhepunkt
zu: Die Amerikaner und Engländer eroberten die italienischen Inseln Lampedusa
und Pantelleria und landeten im Juli 1943 auf Sizilien, ohne Widerstand der
italienischen Armee.
Unter dem Eindruck der verheerenden Niederlagen wurde
Mussolini am 24. Juli 1943 vom eigenen Großen Faschistischen Rat abgesetzt. Am
nächsten Tag wurde Mussolini von den Sicherheitskräften des Königs Viktor
Emanuel III. verhaftet. Hier rächte sich endgültig Mussolinis jahrzehntelange
Schonung des hinterhältigen und verräterischen Königshauses und die Teilung
seiner Macht mit dem König. Dieser übernahm den Oberbefehl über die
Streitkräfte und beauftragte Marschall und Verräter Badoglio, eine
Militärregierung zu bilden, die die faschistische Partei und ihre Gliederungen
verbot und auflöste. Im Volk wurde der vom Faschismus anerzogene
Gemeinschaftssinn durch Egoismus und Individualismus verdrängt, zivile und
militärische Lager wurden geplündert, das Land versank in Chaos. Der verhaftete
Mussolini wurde heimlich mit einem kleinen Schiff auf die Insel Ponza gebracht,
von dort aus über Maddalena zum Gran Sasso, einem Hotel hoch in den Bergen, das
er einst selbst erbauen lies. Die wachhabenden Carabinieri hatten den Befehl,
Mussolini zu töten, falls irgendein Befreiungsversuch gemacht würde, es war
geplant, ihn an die Engländer auszuliefern.
Die SS befreit Mussolini
In der Geschichte aller Zeiten und Völker gibt es
Erzählungen von dramatischer Gefangenschaft und Befreiung. Diejenige Mussolinis
erscheint heute noch als die kühnste und modernste in der Wahl der Mittel und
gehört schon lange der Legende an. Mussolini hatte nie auf eine Befreiung durch
die Faschisten gehofft, fühlte aber von Anfang an, daß der Führer alles
versuchen würde, der tatsächlich SS-Sturmbannführer Otto Skorzeny den Befehl
zur Befreiung gab.
Am Mittag des 12. September 1943 landeten deutsche
Fallschirmjäger in einer Kommandooperation mit Lastenseglern auf dem Gran
Sasso, brachten Maschinengewehre in Stellung, besetzten die Drahtseilbahn als
einzige Verbindung nach unten und gingen gegen das Berghotel vor, dabei gab es
auf der Seite der Bewacher zwei Tote. Zuvor waren alle Telefonverbindungen
gekappt worden. Skorzeny hatte den General Soleti vom römischen Polizeikorps
mitgebracht, der die zahlenmäßig weit überlegenen und schwer bewaffneten Wachen
zur Aufgabe aufforderte, und sie leisteten keinen Widerstand mehr.
Nach der Entwaffnung der Wachen betrat Skorzeny das Zimmer
Mussolinis und sagte: "Der Führer, der nach Ihrer Gefangennahme nächtelang
über Ihre Befreiung nachdachte, hat mir diesen Auftrag erteilt. Ich habe
täglich unter unerhörten Schwierigkeiten Ihre Irrfahrten verfolgt. Heute wird
mir die große Freude zuteil, Sie befreit und die mir gestellte Aufgabe in
bester Weise gelöst zu haben".
Anschließend stiegen Mussolini und Skorzeny in einen
Fieseler Fi 156 Storch, der mit Einsatz der gesamten Flugkünste des Piloten
tatsächlich unbeschadet vom viel zu kurzen Startplatz über dem Abgrund abhob
und zu einem größeren italienischen Flugplatz in deutscher Hand flog. Über Wien
und München wurde Mussolini zum Hauptquartier des Führers gebracht, Skorzeny
wurde mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.
Adolf Hitler über Mussolini: "Der Duce ist in meinen
Augen der letzte Römer. Er ist das letzte sichtbare Symbol des alten stolzen
Rom, das einst die Welt beherrscht hat, soweit sie bekannt war. Sein Leben,
sein Aufstieg, seine Taten sind nur denen der alten Herrscher Roms
vergleichbar."
Während das alte Römische Reich zugrundeging durch
Völkervermischung, Sittenverfall und wirtschaftlichem Anspruchsdenken bei
geistig-moralischer Anspruchslosigkeit, wurde der moderne Faschismus gestürzt
durch die Zersetzung der Führungskräfte, monarchischem Verrat und alliierte
Waffengewalt.
Die Italienische Sozialrepublik
Nachdem Italien vor den Alliierten kapitulierte und der
König flüchtete, war die deutsche Wehrmacht in den schweren Abwehrkämpfen gegen
die Alliierten fast auf sich allein gestellt. Die Waffen-Grenadier-Brigade der
SS (italienische Nr. 1) und spätere 29. Waffen-Grenadier- Division der SS
(Legione SS Italiana) kämpfte bis zum Ende im April 1945 erbittert mit.
Die am 23. September 1943 in Norditalien gegründete
Italienische Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana), der zweite und
letzte faschistische Staat, mit Benito Mussolini als Staatschef, erklärte dem
von den Alliierten besetzten Teil Italiens den Krieg und bekämpfte Partisanen
mit den aus tausenden Freiwilligen gebildeten bodenständigen Schwarzen
Brigaden. Zusätzlich stellte die neue Republik vier in Deutschland ausgebildete
Divisionen in den Kampf: die Gebirgs-Division "Monte Rosa", die
Schützen-Division "Italia" die Marine-Division "San Marco"
und die Infanterie-Division "Littorio". Die Marine kämpfte auch im
Schwarzen Meer gegen die Sowjetunion, legte dort zahlreiche Minen und versenkte
mehrere sowjetische Kriegsschiffe und U-Boote. Die erfolgreichste Streitkraft
der neuen Republik war aber die Luftwaffe, die eigenständig und sehr
erfolgreich gegen die alliierten Bomberverbände operierte. So kann kurzgefaßt
festgestellt werden, daß die Qualität und Kampfkraft des italienischen Militärs
in der Republik erheblich gewonnen hat.
Mussolini hat schon kurz nach seiner Befreiung die Partei
"Partito Fascista Repubblicano" gründen lassen, die so wie die
Führung der Italienischen Sozialrepublik in jeder Hinsicht radikaler und
kompromißloserkompromißloser war als das faschistische Italien vor dem
Niedergang 1943. Der gesamte Staat war als Kriegsstaat ausgerichtet,
militärisch durchorganisiert und bis zuletzt auf deutscher Seite.
Das Ende Mussolinis
Als die Stellung in Mailand im April 1945 nicht mehr zu
halten war, brach Mussolini ohne ein bestimmtes Ziel auf und schloß sich einer
deutschen Einheit an, die sich über die Alpen zurückziehen wollte. Die
kommunistischen Partisanen hatten an allen Ausfallstraßen Barrikaden errichtet
und erkannten Mussolini. Während die deutsche Einheit weiterfahren konnte,
wurden Mussolini, seine Mitarbeiter und Freundin Clara Petacci erschossen und
die Leichen später in Mailand an einer Tankstelle öffentlich aufgehängt. So endet
die Geschichte des Faschismus dort, wo sie angefangen hat: in Mailand, unweit
der Stelle wo 26 Jahre zuvor die Kampfbünde gegründet worden waren.