Ladenschluß ein Muß!

In den letzten Jahren wurden die Ladenöffnungszeiten
immer weiter ausgedehnt, ohne jedoch mehr Arbeitsplätze zu schaffen oder höhere
Umsätze zu erwirtschaften. Vielmehr zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre
deutlich, daß durch die Unternehmen der Versuch unternommen wird, immer mehr
Arbeitsplätze abzubauen oder durch
sogenannte „400 Euro Jobs“ zu ersetzen. Wo jedoch Arbeitsplätze
vernichtet werden und Löhne sinken, kann auch die Kaufkraft nicht steigen.
Das Ladenschlussgesetz ist in den letzten Jahrzehnten immer
weiter aufgeweicht worden. Bei uns in Schleswig-Holstein gibt es derzeit eine so
genannte 6x24-Regelung, wonach die Geschäfte an 6 Tagen in der Woche rund um
die Uhr öffnen dürfen. Lediglich der Sonntag soll unangetastet bleiben. Doch
auch hier sorgen bis zu 4 verkaufsoffene Sonntage im Jahr und die so genannte
Bäderegelung für genügend Ausnahmen. Konsum rund um die Uhr - eine logische
Folge des liberal-kapitalistischen Systems in der BRD, das uns Deutsche dem
Globalisierungsdruck internationaler Finanzmärkte und Multikonzerne schutzlos
ausliefert. Die weichgespülte, ausgehöhlte Politik bemühte sich darum, diese
liberalen Öffnungszeiten politisch korrekt als Erfolg zu verkaufen. Doch ist
das ein Erfolg? Für Multikonzerne und millionenschwere Handelsketten sicher.
Aber was ist mit dem Einzelhandel? Können es sich kleinere Ladengeschäfte
überhaupt leisten, rund um die Uhr geöffnet zu haben?
Der Wegfall des Ladenschluß besiegelt die
24-Stunden-Gesellschaft nach amerikanischem Muster. Was für den einzelnen
Kunden bequem zu sein scheint, wird sich für die Masse des Volkes schon sehr
bald ins Gegenteil verkehren. Zum Einkaufen braucht man Geld, egal ob Tag oder
Nacht. Und Geld haben viele Deutsche schon heute zu wenig. Folge: Viele
kleinere Geschäfte, die es sich nicht leisten können, ohne Preiserhöhungen rund
um die Uhr geöffnet zu haben, werden aufgeben müssen. Das kostet Arbeitsplätze,
die bislang sicher waren. Die Zahl der Konkurse ist auf Grund der Konkurrenz
der Großkonzerne in den letzten Jahren ohnehin schon in beängstigende Höhen gestiegen.
Dadurch gerät auch das wirtschaftliche Gleichgewicht zunehmend aus den Fugen.
Die Vielfalt kleinerer Geschäfte geht verloren, die Dominanz weniger
international operierender Multikonzerne nimmt weiter zu.
Die Folgen dürften klar sein: Durch deren Monopolstellung
gibt es dann nur noch das zu kaufen, was die großen Konzerne anbieten wollen.
Und das werden hauptsächlich billig produzierte Waren sein, die von billigen
Arbeitskräften in der Dritten Welt gefertigt werden. Das ist heute schon
großenteils so und wird durch den Wegfall des Ladenschlusses noch forciert. Die
Milchmädchenrechnung von neuen Arbeitsplätzen geht nicht auf. Jedenfalls nicht
im Sinne einer sozial gerechten Vollbeschäftigung, die wir angesichts der
drohenden sozialen Katastrophe so dringend bräuchten. Wenn der Wegfall des
Ladenschlusses überhaupt Arbeit in Deutschland schafft, dann höchstens
schlechtbezahlte „Billigjobs“. Für viele Deutsche zum Leben zu wenig und zum
Sterben zu viel. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch müssen die
längeren Öffnungszeiten und die daraus resultierende 24-Stunden-Gesellschaft
betrachtet werden. Zunehmende soziale Kälte, permanente Unruhe in den
Großstädten und Individualisierung sind zwangsläufige Folgen, die sich negativ
auf die Entwicklung des Volkes auswirken. Gemeinschaft und gemeinschaftliches
Erleben werden durch geschäftiges Treiben rund um die Uhr auseinanderdividiert.
Sind wir wirklich nur noch Kunden und nicht mehr Deutsche?
Letztlich muß natürlich jeder für sich selbst die Frage
beantworten, ob das bißchen mehr an Einkaufsbequemlichkeit diese Folgen
aufwiegen. In der Ruhe liegt die Kraft, so sagt der Volksmund. Was aber
passiert mit uns, wenn uns die 24-Stunden-Gesellschaft nicht mehr zur Ruhe
kommen lässt?