Tierversuche
Tierquälerei oder unverzichtbare Forschungsmethode?
Jährlich
werden in der BRD über 2 Millionen Tiere in Laboratorien
getötet. Am häufigsten
wurde an Nagetieren experimentiert. Ratten und Mäuse machten
zusammen rund 75%
der insgesamt „verbrauchten“ Versuchstiere aus.
Aber auch Kaninchen,
Meerschweinchen, Hunde, Katzen, Affen, Fische, Hühner und
viele andere
Tierarten werden zu Versuchszwecken verwendet.
Doch warum läßt das Tierschutzgesetz solche Versuche
überhaupt zu? In §1 Tierschutzgesetz werden Tiere
doch als „Mitgeschöpfe“
anerkannt und das Zufügen von Schmerzen, Leiden oder
Schäden ohne vernünftigen
Grund verboten. Doch diese deutlichen Worte werden wenige Paragraphen
später
wieder eingeschränkt. Als „vernünftiger
Grund“ gilt nämlich laut §7 alles, was
dem Menschen irgendeinen Nutzen verspricht, denn nicht nur neue
Medikamente
werden an Tieren erprobt, sondern auch Chemikalien, Wasch- und
Putzmittel,
Hautcremes, Suchtmittel, Krankheitserreger, Lebensmittel, Gase,
Säuren,
Schmiermittel usw. Alles, was in irgendeiner Form mit dem Menschen in
Berührung
kommt, wird in Tierexperimenten auf mögliche
schädigende Wirkungen getestet.
Obwohl
Tierversuche in einigen Bereichen gesetzlich
vorgeschrieben sind, sollte eine Vielzahl der derzeitigen Tierversuche
aus
wissenschaftlichen Gründen abgelehnt werden. Die Ergebnisse
mancher
Tierexperimente lassen sich nicht mit der nötigen Sicherheit
auf den Menschen
übertragen. Es kann keine wirklich verwertbare Aussage
darüber gemacht werden,
ob und wieweit sich der menschliche und der tierische Organismus
vergleichbar
verhalten. In jedem Fall muß der gleiche Versuch mit einem
unkalkulierbaren
Risiko und einem kaum vorhersagbaren Resultat am Menschen wiederholt
werden.
Vorher ist jede übertragende Aussage Spekulation. Eine
Konsequenz dieser
wissenschaftlich nicht zulässigen Übertragung vom
Versuchstier auf den Menschen
sind die vielen für sicher gehaltenen Medikamente, welche in
den letzten
Jahrzehnten trotz exzessiver tierexperimenteller Erprobung wieder vom
Markt
genommen werden mußten, weil sie beim Menschen - im Gegensatz
zum Tier -
schwerwiegende oder gar tödliche Nebenwirkungen hervorriefen.
Doch geht es
überhaupt ohne Tierversuche?
Sicherlich
wird man im medizinischen Bereich nicht gänzlich
auf Tierversuche verzichten können, doch im Bereich der
tierversuchsfreien
Forschung konnten in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte
verzeichnet
werden. Heutzutage steht eine Vielzahl sogenannter In-vitro-Verfahren
zur
Verfügung. Darunter versteht man „im
Reagenzglas“ durchgeführte Tests. Diese
sind aussagekräftiger, zuverlässiger und
kostengünstiger als Tierversuche. Neue
Arzneimittel können heute „am Computer“
entwickelt und an menschlichen Zell-
und Gewebekulturen, die z.B. aus Operationen zur Verfügung
stehen, getestet
werden. Zur Prüfung der Erbgutschädigung eignen sich
Bakterienkulturen. Die
hautreizenden Eigenschaften von Chemikalien und kosmetischen Stoffen
können an
künstlicher Haut getestet werden. Für die
Untersuchung auf fieberauslösende
Substanzen in Medikamenten und Impfstoffen steht heute ein Test mit
menschlichem Blut zur Verfügung. Studierende der Biologie,
Human- und
Tiermedizin können physiologische Zusammenhänge in
Filmen, Computersimulationen
oder im schmerzlosen Selbstversuch nachvollziehen. Einige dieser
Verfahren
werden heute bereits angewendet, während andere noch nicht
anerkannt sind.
Neben den Reagenzglastests ist die Erforschung der wirklichen Ursachen
unserer
Krankheiten eine wesentlich sinnvollere, billigere und
aussichtsreichere
Methode der Erkenntnisgewinnung als das Tierexperiment. In Studien mit
kranken
und gesunden Menschen wurde beispielsweise der Einfluß
unserer Lebensweise auf
Entstehung und den Verlauf verschiedenster Krankheiten untersucht. Es
konnte
eindeutig gezeigt werden, daß die heutigen
Zivilisationskrankheiten weitgehend
durch Faktoren wie Rauchen, Alkoholmißbrauch, falsche
Ernährung, Streß,
mangelnde Bewegung usw. bedingt sind. Kein Tier muß
für diese wichtigen
Untersuchungen leiden und sterben.
Gänzlich
abzulehnen sind Tierversuche im Bereich der
Kosmetik. Kein Lebewesen darf leiden, nur damit neue Anti-Faltencremes,
die
ohnehin beim Anwender nicht das gewünschte Ergebnis erzielen,
auf den Markt
gebracht werden. Schon 1986 wurden mit Inkrafttreten des damals neuen
Tierschutzgesetzes
Tierversuche für dekorative Kosmetika verboten. Diese
Vorschrift war jedoch
gänzlich ungeeignet, Tiertests für die Entwicklung
neuer Produkte zu
verhindern. Zum einen fiel die gesamte Palette der pflegenden Kosmetika
nicht
darunter und zum anderen war die Abgrenzung zwischen dekorativen und
pflegenden
Mitteln äußerst schwierig. Die Hersteller
deklarierten selbst Lidschatten und
Lippenstift als pflegend und konnten so das Verbot leicht umgehen. Seit
1998
sind laut Tierschutzgesetz Tierversuche für die Entwicklung
sowohl der
dekorativen als auch der pflegenden Kosmetikprodukte und sowohl
für ihre
Rohstoffe als auch die Endprodukte untersagt, solange sie nicht unter
das
Chemikaliengesetz fallen. Ausnahmen sind erlaubt. Doch auch heute noch
wird es
der Industrie durch eine Gesetzeslücke leicht gemacht,
Tierversuche trotz des
Verbotes durchzuführen. Das Verbot gilt nur für
Rohstoffe, die ausschließlich
für Kosmetika verwendet werden. Da dies bei den wenigsten
Inhaltsstoffen der
Fall ist, können die Substanzen nach den Vorgaben des
Chemikaliengesetzes im
Tierversuch geprüft werden. Seit 1993 wurde versucht, auf
Europaebene eine
gesetzliche Regelung zu finden. Doch das längst
überfällige Verbot der
Kosmetiktierversuche und der Einfuhr tierversuchsgetesteter Kosmetika
wurden
wieder und wieder hinausgeschoben oder verwässert. Anfang 2003
einigten sich
die EU-Gremien auf einen Kompromiß. Danach sollen
Tierversuche für Kosmetika
seit 2009 in der EU verboten sein, Ausnahmegenehmigungen
können allerdings
weiterhin beantragt werden. Die großen Kosmetikkonzerne haben
problemlos eine
solche Ausnahmegenehmigung erhalten Damit bleibt alles beim alten.
Ein
Leben im Einklang mit der Natur muß für uns
Nationalisten als erstrebenswertes Ziel gelten. Kein Lebewesen darf
ausschließlich
zur Profitmaximierung der Pharmakonzerne leiden und sterben.
Tierversuche
müssen zukünftig auf ein Minimum begrenzt und
alternative tierversuchsfreie
Forschungsmethoden stärker gefördert werden, denn
auch Tiere haben ein Recht
auf Leben!