Das Recht zu Irren
Ein Kommentar zu Gerhard Schröder (Bundeskanzler a.D.)

Endlich gibt es mal wieder einen Anlass für etablierte
Berufshumanisten sich aufzuregen. Die Schweizer hatten Basisdemokratie praktiziert, als sie
das Volk über den weiteren Bau von Minaretten abstimmen ließen. Das Ergebnis
war allerdings - trotz anderslautender Testumfragen - ein konzentriert
gesetzter Schuss Rum in den Kakao aus Integrationspropagierung und
Realitätsverlust, womit die Einwanderungsbefürworter auf ihrer Weiterfahrt
hoffen müssen, dass sie keiner weiteren „basisdemokratischen Politzeikontrolle“
ausgesetzt und wegen Fahruntauglichkeit daraufhin abgesetzt werden.
Durch die Eindeutigkeit von fast 60% der abgegebenen Stimmen
existiert nun ganz aktuell ein klares Nein zu den „multikulturellen“
Zumutungen. Aufgeschreckt von diesem gesunden Instinkt der Schweizer
Bevölkerung meldet sich ein politischer Akteur auf öffentlichem Bankett wieder
zurück, der eigentlich schon längst anderen Beschäftigungen verschrieben
schien.
Es ist der Bundeskanzler außer Dienst Gerhard Schröder. Ein
Mann, der sich bei diesem Thema anscheinend berufen fühlt sich zu äußern, da er
nicht nur als glühender Verfechter eines Beitritts der Türkei in die EU gilt,
sondern wohl auch auf Grund der Freundschaft zum ehemaligen Amtskollegen
Erdogan (Ministerpräsident der Türkei), es schwer ertragen kann, dass freie
Europäer sich unterbewusst zu ihrer Identität und Kultur bekennen.
Um ein Übergreifen des Schweizer „Identitätsgeistes“ auf
andere Länder in Europa und vor allem Deutschland zu verhindern, meldet sich
Schröder dann auch mit Multikultur- Kompetenz in Form des Zeitungsartikels „Das
Recht auf Türme“ in der Zeit (Ausgabe 51/09; Seite 12) zu Wort.
Schrödersche multikulturelle Thesen
In seiner Veröffentlichung geht Schröder zunächst darauf
ein, dass das Votum im Grunde nur ein symbolisches Ergebnis für eine
tiefgreifendere Stimmung bei den Menschen wäre. So entsteht bei ihm die These,
die Menschen wollen die „gesellschaftliche Veränderung“ (die ethnisch vermischte
Gesellschaft) nicht öffentlich wahrnehmen, stattdessen viel lieber „in
Hinterhäuser“ verdrängen.
Der Autor sieht bereits darin einen Fehler in Schröders
Gedankenaufbau. Denn im Gegensatz zu der These von Schröder, liegt für
Nationalisten die Ursache für die Ablehnung des Minaretts darin, dass dieses
für jeden einzelnen ein sichtbares Symbol der Überfremdung darstellt. Es wird
den meisten Menschen nicht darum gehen den Islam zu beseitigen, ihn zu
verdrängen oder gar christlich zu besiegen. Viel mehr merken viele normale
Bürger unterbewusst, wie sehr sich ihre Umgebung wandelt. Sei es auf
sprachlicher, kulinarischer kultureller oder auch religiöser Ebene, überall
wird das Ursprüngliche von dem Fremden verdrängt. Ein Prozess, der nun bereits
längere Zeit im europäischen Raum - vornehmlich Westeuropa nach 1945, später
auch andere Teile des Kontinents - zu beobachten ist und bisher nur äußerst
selten in den öffentlichen politischen Diskurs gelangt ist. In der Schweiz gab
es nun dieses Ventil, und dem Druck, der durch die Ignoranz der politischen
Klasse bei diesem Thema entstanden ist, wurde Luft gegeben. So zumindest in der
Schweiz.
In Deutschland dagegen ist wenigstens eine Debatte
losgetreten worden, die sich jedoch wenig an der Meinung der Mehrheit des
deutschen Volkes orientiert. Fakt bleibt es nämlich, dass bis zu 70% der
Deutschen laut Umfragen der Meinung sind, in Deutschland würden zu viele
Ausländer leben. Doch wollen wir nicht zu kritisch mit der etablierten
Politik sein und erkennen durchaus den Versuch des Altkanzlers an, bei dem
Thema Meinung zu machen.
So fährt Schröder fort und spricht davon, der Islam sei
„Teil unserer Gesellschaft“. Ein Umstand der nun wirklich nicht zu bestreiten
ist. Nur sollte man hierbei nicht vergessen, dass ganz generell der
gesellschaftliche Zustand niemals die Prämisse für politische Handlung sein
sollte, womit wir bei der Frage der Volksherrschaft wären, die in diesem Punkt
absolut negiert wird. Falls her Schröder gerne wissen würde wie er es hätte
besser machen können als er dazu noch mehr oder weniger in der Lage war, so
wäre ihm das Mittel der Volksabstimmung auch in Deutschland vorgeschlagen. Denn
gerade in dieser existenziellen Frage der ethnischen Identität hat das deutsche
Volk eine Mitsprache mehr als verdient. Und dies jenseits von Schuldkult,
Nazivorwürfen und Lobbyismus.
Schröder machte nun bekanntlich das Gegenteil, wenn man sich
an „Zuwanderungsgesetz“ und „Geburtsortsprinzip“ erinnert, wodurch unser
heutiges - inzwischen auch von der Merkel-CDU - so gepriesene Einwanderungsland
geboren wurde.
Jene beiden Grundpfeiler sind für ihn in Verbindung mit der
Anerkennung des Staates die Notwendigkeit zum Gelingen einer Integration. Eine
Integration, die mit wenigen Ausnahmefällen nicht stattfindet bzw. gescheitert
ist. Denn durch die große Anzahl der Fremden lässt sich eine menschliche
Eigenschaft feststellen, man bleibt lieber unter seinesgleichen. Besser gesagt:
Es entstehen Parallelgesellschaften, die mehr oder weniger autark vom deutschen
Ursprung sind und diesen in den Ballungsgebieten zusehends weiter verdrängen.
Geradezu grotesk bei Betrachtung der Problemschulen in
Deutschland klingt es dann auch bei Schröder, wenn er schreibt „Assimilation. …
darf nicht bedeuten, kulturelle oder religiöse Unterschiede beseitigen zu
wollen“. Jeder deutsche Schüler an einer Schule mit 90% Ausländeranteil darf
sich diesen Satz gerne auf der Zunge zergehen lassen und bei aufkommender Wut
gerne mit uns Kontakt aufnehmen.
Nicht das es hierbei zu Missverständnissen kommt. Selbstverständlich sind auch
Nationalisten gegen die eine oder andere Assimilation. Es wäre
menschenverachtend von hier lebenden Fremden zu verlangen ihre Identität
aufzugeben und komplett im deutschen Volkskörper aufzugehen. Einzig für
Spätaussiedler ist dies als Alternative anzusehen. Für Fremde in Deutschland sollte eher ein gestaffeltes und
humanes Ausländerrückführungsprogramm angewendet werden, so wie es die NPD bereits
artikuliert hat.
Es gibt jedoch angenehmerweise nicht nur Widerspruch bei der
Betrachtung des Aufsatzes von Schröder. Er warnt beispielsweise vor
„Verzerrungen und vorschnellen Verallgemeinerungen“ in Bezug auf den Islam.
Etwas was zu unterstreichen ist, da wir mit islamfeindlicher und populistischer
Eintönigkeit sicher nicht die Wurzel der Überfremdung erreichen werden. Der
Islam ist unter dem Vorsatz der Religionsfreiheit zu betrachten. Die
Religionsfreiheit hingegen ist wiederum für das deutsche Volk zu konkretisieren
und zu sichern. Heißt jeder Deutsche und jeder hier lebende Nicht-Deutsche hat
das Recht Moslem zu sein und seinen Glauben auch in Moscheen auszuüben. Dabei
befinden wir uns auch in bester deutscher Tradition, erinnert man sich an den
letzten deutschen Kaiser, der 1914 für gefangene muslimische Soldaten die erste
Moschee in Deutschland errichten ließ. So gesehen geht es uns Nationalisten um
eine getrennte Bewertung von Überfremdung und Islam, die aber
selbstverständlich zusammen betrachtet werden muss.
Einem weiteren Punkt bei Schröder ist ebenso beizupflichten.
Hier verweist er auf, „Respekt vor anderen Kulturen, … Toleranz gegenüber
Andersdenkenden und Andersgläubigen, … Anerkennung von Vielfalt und
Verschiedenartigkeit.“ Es ist Schröder zu attestieren, welch wahre Worte er
dabei verfasst hat und es ist ihm zu sagen, er möge diese in der Realität doch
bitte auch beim Umgang mit Nationalisten und seinem eigenen Volk beherzigen.
Fasst wäre der Autor an dieser Stelle dem Gedanken verfallen
Gerhard Schröder könnte noch für die nationale Sache gewonnen werden, als beim
Fortführen der Lektüre ein unmissverständliches Bekenntnis in Schröders
Ausführungen zu lesen ist:„Die Anerkennung des anderen als eines Gleichen ist
ein kultureller Fortschritt, …“.
Zuerst wollte man noch bei Schröder nachfragen, ob dies
eventuell nachträglich von der Redaktion der Zeit eingefügt worden wäre, dann
kam einem jedoch die nüchterne bundesdeutsche Realität und Schröders Vita
wieder zu Bewusstsein, wodurch letztlich nur noch eines festzuhalten ist.
Gerhard Schröder hat durch sein kleines „Comeback“ im bundesrepublikanischen
Mediendiskurs erneut bewiesen, in inländischen Fragen durch seine
pseudohumanistische Rhetorik am Ende doch nur wieder dem Einheitsmenschen zu
huldigen, ohne irgendetwas positives den in Deutschland lebenden Kulturen und
Völkerschaften mitzuteilen.
Das Recht zu Irren wird ihm jedenfalls zu Teil.