Sind Atomkraftwerke tickende Zeitbomben?

In den vergangenen Jahren gab es besonders in den beiden
schleswig-holsteinischen Atomkraftwerken regelmäßig Störfälle. Kein Grund zur
Beunruhigung? Die deutsche Atomaufsichtsbehörde lobt bei jeder sich bietenden
Gelegenheit die hohen Sicherheitsstandards der deutschen Meiler. In Schweden
scheint man das etwas anders zu sehen. Der Vattenfall-Chef Josefsson muß seinen
Hut nehmen, weil er für die Pannenmeiler Brunsbüttel und Krümmel vertraglich
eine unbegrenzte Haftung bei Unfällen vereinbar hatte. Diese Entscheidung des
Konzernchefs lehnt die schwedische Regierung, als einziger Eigner des
Energiekonzerns, jedoch konsequent ab. „Es sein nicht akzeptabel, daß Josefsson
diese Erklärung unterzeichnet hat“, so der schwedische Wirtschaftsminister Maud
Olofsson. Offensichtlich haben die Schweden kein Vertrauen mehr in die
bundesdeutschen Atommeiler und schließen nicht aus, dass Schäden entstehen
könnten, welche die Haftungshöchstgrenze von 2,5 Milliarden Euro überschreiten.
Daß die schwedische Staatsführung nur wenige Tage später zurück rudert und nun
doch die unbegrenzte Verantwortung für die eigenen Atomkraftwerke tragen
möchte, dürfte lediglich wirtschaftliche Gründe haben. Fürchtet man gerade nach
den unzähligen Reaktorpannen um das Ansehen des Unternehmens und einem damit
verbundene finanzielle Schaden durch Kundenverluste besonders in Deutschland
und Europa.
Oftmals wird die Atomenergie vorschnell als „saubere,
kostengünstige Energie“ bezeichnet. Kernkraftwerke produzieren kein
Kohlendioxid, benötigen im Vergleich zu
fossilen Brennstoffen eine extrem geringe Menge an Brennstoff und die Kosten
sind im Vergleich gering. Kein Wundern, dass weltweit über 30 Länder
Kernkraftwerke betreiben. Doch der Schein trügt: Die Risiken der Atomkraftnutzung sind enorm,
das wissen wir nicht zuletzt durch den Reaktorunfall am 26. April 1986 in
Tschernobyl. Doch selbst im Normalbetrieb sind Kernkraftwerke gesundheitlich
nicht vollkommen unbedenklich. Im Jahr 2001 sorgte eine Studie von Dr. Alfred
Körblein vom Umweltinstitut München für Aufsehen, die erhöhte Kinderkrebsraten
in der Umgebung von KKWs nachwies. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat die
Richtigkeit der Untersuchung nach anfänglichen Zweifeln bestätigt. Ein weiteres
Problem und Gefahrenpotential stellt die ansteigende Menge atomaren Mülls dar,
für die bis heute weltweit kein geeignetes Endlager gefunden wurde. Zwar klingt
das Wort „Wiederaufarbeitung“ zuerst einmal positiv. Leider kann nur ein verschwindend
kleiner Anteil des strahlenden Materials erneut verwendet werden. Der Großteil
muß endgelagert werden und stellt damit eine dauerhafte Gefahr dar. Auf den Wegen zwischen Atomkraftwerk,
Wiederaufbereitungsanlage und Zwischenlager rollt der radioaktive Atommüll
mehrfach über Straßen und Schienen durch das gesamte Bundesgebiet und muß dabei
von einem Großaufgebot der Polizei begleitet werden. Die Kosten hierfür trägt
natürlich der Steuerzahler.
Jedes Jahr produzieren deutsche Kraftwerke nach Angaben der
Umweltschutzorganisation Greenpeace rund 450 Tonnen radioaktiven Müll. Trotz
dieser ernüchternden Tatsache steigt der Druck der Atomlobby auf die neue
Bundesregierung. Bereits jetzt wurde angekündigt, die Laufzeiten der
Atomkraftwerke wenn notwendig zu verlängern. Wir dürfen unseren Nachkommen
keine radioaktiven Müllberge hinterlassen und fordern daher einen konsequenten
Atomausstieg und damit verbunden eine intensivere Förderung alternativer
Energien.

Der Pannenreaktor Krümmel