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Merry X-Mist

Auch
wenn das Weihnachtsfest noch etwas entfernt ist, werden schon jetzt die
„Shopping Center“ (Kaufhäuser) auf das Hohe Fest
eingestimmt. Denn „Christmas“ (Weihnachten/Julfest) oder
neuenglisch „X-Mas“ ist schon lange kein kirchliches (oder
gar heidnisches) Fest mehr, hier geht es nur um eins: Geld. In den
Schaufenstern lächelt uns schon bald wieder „Santa
Claus“ entgegen, aus den Lautsprechern dröhnt „Jingle
Bells“. Selbst das in 125 Sprachen übersetzte urdeutsche
„Stille Nacht, Heilige Nacht“ kommt uns inzwischen oftmals
in der englischen Fassung in die Ohren. Überall mahnt uns
„Father Christmas“, bis zum „Candle-Night-“ und
„Come-Together-Event“ (der Heiligabend) noch viele
„presents“ (Geschenke) zu kaufen. Ob man dies tut oder
nicht, an der Kasse wird jeder mit „Merry X-mas“ (frohes
Fest) verabschiedet.
Geschenke? Da war doch was. Nicht nur das Erzgebirge, nein, ganz
Deutschland war früher für seinen einzigartigen
Weihnachtsschmuck bekannt. Doch neben dem Dresdner Christstollen und
den Nürnberger Lebkuchen finden die zahlreichen ausländischen
Gäste (darunter viele aus England und den USA) nicht mehr viel
Traditionelles. Kopfschüttelnd müssen sie feststellen,
daß bei uns der gleiche Ramsch von kitschigen „Merry
Christmas“-Türeingangsschildern über (englisch)
quäkende Santa-Claus-Gesichter bis hin zu überdimensionierten
buntleuchtenden Rentieren angeboten wird, wie in ihrer Heimat. Und
finden sich doch noch vereinzelte Holzschnitzereien „aus dem
Erzgebirge“, stellt sich schnell heraus, daß dies billige
Kunststoffimitate „Made in China“ sind.
Ähnlich internationalisiert wie die Sprüche,
Weihnachtsmänner, Geschenke und Lieder ist das Fernsehprogramm.
Man muß schon tief in der Fernsehzeitung suchen, um zwischen dem
ganzen Hollywood-„Santa-Claus“-Klamauk noch einen
schönen deutschen Weihnachtsfilm zu finden. Zu Hause bleiben
bringt also auch nichts, es sei denn, man schafft es endlich, den
Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen!
Doch was erwarten wir? Schon vor Jahren wurde Weihnachten
kommerzialisiert, Geschenke sind der einzige Un-Sinn des heutigen
Festes und Konsum steht im Vordergrund. Da ist die weitere
Internationalisierung nur noch logische Konsequenz. Doch auch hier sind
uns die Amis inzwischen weit voraus. In manchen Städten wird schon
nicht mehr für „X-mas“ geworben, da sich Personen aus
anderen Kulturen an dem noch immer leicht christlich angehauchten Fest
gestört fühlen würden. Vielleicht kommt die Rettung vor
dem endgültigen Sprachkollaps hier mal von einer ungewohnten Seite!
Es ist doch gar nicht so schwer, für die meisten „Foreignwords“ deutsche Ausdrücke zu finden, oder?
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