Das Erntedankfest

Das Erntedankfest ist wohl das Fest, welches von der
christlichen Kirche am wenigsten entfremdet wurde. Hier wurde die Sinngebung
beibehalten, auch wenn unsere Ahnen natürlich ihren Göttern und der Natur für
die Gaben der Felder dankten.
Jetzt erreicht die Tätigkeit des Landmanns seinen Höhepunkt. Nun erntet er,
wofür er sich das ganze Jahr geplagt hat und dies in größter Anstrengung und
Eile, damit die Ernte nicht auf den Feldern verkommt. Nach dieser schweren
Zeit, nachdem der Geist durch die körperliche Anstrengung geläutert ist,
nachdem die Sorge um die Ernte endlich nicht mehr das Denken des Bauern
bedrückt, nachdem die Familien als starke Gemeinschaft mit vereinten Kräften
das Korn eingebracht haben, erfüllt sich das Gemüt mit Dankbarkeit gegenüber
der Natur.
Warum aber behielt gerade das Erntedankfest seine Sinngebung
bei? Warum versuchten die christlichen Missionare nicht auch hier, die Germanen
aus ihren naturverbundenen Anschauungen zu entwurzeln? Vermutlich lag es daran,
dass die Missionare aus ihrer naturfeindlichen Religion heraus diesem Dankfest
an die Natur nichts entgegen zu setzen hatten. Auch mag es eine Rolle gespielt
haben, dass es sich vornehmlich um ein Fest der Landbevölkerung, der
Bauernsippen handelt. Denn gerade diese hielten eisern an den althergebrachten
Handlungen und Bräuchen fest und erhielten viele Bestandteile des alte
germanischen Brauchtums über die Jahrhunderte hinweg.
In unserer materialistischen Zeit, in der das Gemüse und das Brot aus dem
Supermarkt kommen, haben viele Volksgenossen bereits den Bezug zu diesem Fest
verloren. Nationalismus heißt jedoch auch die Rückbesinnung auf unsere Wurzeln.
Daher danken wir in diesen Tagen der Natur für die reichhaltigen Gaben auf den
Feldern.