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US-"Friedenspolitik"
Bomben für die Freiheit anderer?






Die USA verstehen sich als weltweiter Bewahrer und Überbringer von Frieden, Menschenrechten, Demokratie, Wohlstand und Freiheit. Bei Betrachtung der über 70 Kriege und Interventionen, die die USA seit 1939 durchgeführt haben, fallen jedoch ganz andere Kriegsgründe auf! Um die Geschichten von Demokratie, Freiheit usw. deutlich zu entlarven, sollte man jedoch nicht nur die Kriege gegen Deutschland, Vietnam, Irak und Afghanistan kennen. Darum werden in unregelmäßigen Abständen auf dieser Weltnetzseite relativ unbekannte Kriegsschauplätze beleuchtet.


Der Sudan

Der Sudan ist das flächenmäßig größte Land Afrikas, zu zwei Dritteln von Muslimen bewohnt. Von herausragender Bedeutung für das Land sind die unschätzbaren Bodenschätze wie Gold, Diamanten, Uran und Erdöl, die bis heute größtenteils nicht erschlossen sind. Die Erdölvorkommen im Sudan werden von den USA auf drei Milliarden Barrel geschätzt.

Im Jahre 1956 wurde der Sudan von den Briten und Ägyptern in die Unabhängigkeit entlassen. Seitdem herrscht als übliche Kolonial-Nachwirkung Bürgerkrieg, hauptsächlich zwischen der muslimischen Regierung und dem christlichen Süden. Im Jahre 1989 putschte das sudanesische Militär unter der Führung des Generalleutnants Omar Hassan Ahmad al-Bashir, errichtete eine Militärregierung und führte das islamische Recht ein. Sofort stand der Sudan unter besonderer Beobachtung der USA. Die Entwicklungen beunruhigten Washington zunehmend, weil die USA ihr Interesse an den Bodenschätzen des Landes unter einer islamischen Militärdiktatur gefährdet sehen.
George Bush senior veranlaßte die üblichen „menschlich-demokratischen“ Maßnahmen, die den Sudan unter Druck setzen sollten. Zunächst wurden Weizen-Hilfslieferungen eingestellt, anschließend weitere ökonomische und diplomatische Maßnahmen getroffen, stets mit dem Ziel, den Sudan weiter zu schwächen. Das schon bettelarme Land mit seinen etwa 30 Mio. Einwohnern leidet seitdem massiv unter dem Boykott. Lebensmittel und Medikamente wurden knapp, die Sterberate im Land schnellte in die Höhe.
Die grausame US-Politik fand ihren Höhepunkt schließlich in der offiziellen Unterstützung der Nachbarstaaten des Sudan, die feindlich gegenüber dem Land eingestellt sind. Für die Rebellenbewegung und für Oppositionelle im Nordsudan wurde sogar militärische, logistische und finanzielle Unterstützung zur Verfügung gestellt. Die Bemühungen des Sudan, den Konflikt im eigenen Land aus eigenen Kräften zu beenden, werden von den USA bis heute torpediert. Statt dessen setzte kürzlich eine erneute Hetzkampagne gegen die „barbarischen islamischen Milizen“ ein, die von der europäischen Presse gewohnt einseitig wiedergegeben wurde.
Nach den zeitgleichen Bombenanschlägen auf die US-Botschaften im kenianischen Nairobi und im tansanischen Daressalam am 7. August 1998 mit 224 Todesopfern kam es schließlich zum Höhepunkt der Eingriffe in die sudanesische Souveränität. Der frischegebackene US-Präsident Clinton wollte seinem Vorgänger in nichts nachstehen und vermutete das „Terrornetzwerk von Osama bin Laden“ als Drahtzieher der Anschläge und sah die Unterstützung des Sudan als erwiesen an.
Also befahl er die Bombardierung des Sudan (und Afghanistans). Am 20. August 1998, weniger als drei Wochen nach den Bombenanschlägen - man hat die Tathintergründe eben „zügig ermitteln“ können - befahl Präsident Clinton die Operation „Infinite Reach“ (grenzenloser Zugriff). US-Kriegsschiffe feuerten ungefähr 70 Tomahawk-Marschflugkörper gegen als terroristisch eingestufte Ziele im Sudan. Marschflugkörper trafen im Zentrum Khartums eine pharmazeutische Fabrik, die angeblich - von bin Laden finanziert - Chemiewaffen herstellte. Eine der Raketen schlug in einer Süßwarenfabrik ein. Im Nachhinein stellte sich heraus, daß mal wieder keinerlei Nachweis für die Chemiewaffenproduktion von der US-Regierung vorgelegt werden konnte, daß vielmehr die Regierung und die Geheimdienste ihrer eigenen Geheimniskrämerei aufgesessen waren. Die vermeintliche Chemieanlage entpuppte sich sogar als Arzneimittelfabrik, die die basismedizinische Versorgung des gesamten Landes gewährleistete. Es entstand ein Sachschaden von mehreren hundert Millionen Dollar, es gab zahlreiche Verletzte und Arbeitslose. Und vor allem die nun fehlenden Medikamente, die aufgrund der Handelssanktionen auch nur schwer aus dem Ausland beschafft werden können, führten zu massiven Folgeschäden.
Humanitäre Werte, die die Vernichtung einer Arzneimittelfabrik verbieten, sowie die von internationalen Gesetzen geschützte Souveränität des Sudan interessierten die USA abermals nicht. Auch in der UNO, die ja angeblich zur allgemeinen Friedenssicherung dienen soll, hatten die USA keinen Resolutionsantrag gestellt, noch teilten sie den Vereinten Nationen mit, daß sie sich durch den Sudan bedroht fühlen und deshalb die Notwendigkeit zum militärischen Handeln sehen.
Nach Ansicht der US-Regierung wurde durch die Operation „bin Ladens terroristische Organisation in die Defensive“ gedrängt, die nun „statt Ressourcen und Aufmerksamkeit auf die Planung und Durchführung neuer Attacken zu fokussieren, einen Rückschlag erlitten hat und sich umgruppieren“ müsse. Noch im Frühjahr 2000 hatte sich die US-Navy-Führung damit gebrüstet. Und dann kam der 11. September 2001und alles sollte anders kommen! Der Krieg ist ins eigene Land zurückgekehrt.

 Die Triebfeder amerikanischer Außenpolitik war noch nie von irgendeiner Art von Moral bestimmt, statt dessen wurde sie von der Notwendigkeit bestimmt, anderen Imperativen zu dienen.






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