Was geschah im Wincklerbad in Bad Nenndorf
nach Kriegsende?

Im gesamten Deutschen Reich kam es nach Beendigung der
Kampfhandlung zu schweren Verbrechen an den überlebenden deutschen und
europäischen freiwilligen Soldaten und an Zivilisten. Das die Rote Armee
gänzlich ungehindert, ja sogar mit der Order ausgestattet möglichst viel Leid
und Unrecht zu verursachen sich nahezu maßlos an Deutschen verging, ist
heutzutage bekannt. Immer mehr Stimmen gibt es die dies bestätigen. Sogar die
ein oder andere Fernsehsendung diesbezüglich. Passt ja auch gut, schließlich
waren die Russen nach dem Kriege Weltfeind Nr. 1.
Das aber Amerikaner, Franzosen, Briten ähnliches während und vor allem auch
nach dem Kriege taten, wird totgeschwiegen, verfälscht, relativiert, verdreht.
Das Bild der bösen Deutschen und den selbstlosen guten Befreiern soll nicht ins
Wanken geraten. Doch das Bild der fried- und menschenliebenden Alliierten
bröckelt. Und zwar gewaltig. Immer mehr der von den Besatzern aus dem Westen
begangenen Verbrechen an der Menschlichkeit dringen ans Tageslicht. So auch in
Bad Nenndorf. Ein kleines, aber feines Städtchen. Mitten in der ehemaligen
britischen Besatzungszone gelegen. Heute ein friedvoller, ruhiger und gern
besuchter Kurort.
Doch nach dem Kriege eine gemiedene Zone bar jedweder Gerechtigkeit. Bar
jedweder Menschlichkeit. Und ein Zeichen für den Umgang der
"Befreier" mit den sich in ihrer Obhut befindlichen Ergebenen. Nicht
nur hier, sondern überall auf deutschem Boden fühlten und führten sich diese,
als Soldaten der Freiheit verklärten Übeltäter, als Herren über (Über-)Leben
und Tod, Glück & Unglück, Freude & Verzweiflung auf.
Was geschah in Bad Nenndorf? Wie kam es das man diesen schönen Ort das "verbotene
Dorf" nannte? Wie kam es zur Aufdeckung?
Im November 2005 berichtete der britische Journalist Ian Cobain in der
britischen Zeitung "The Guardian" von britischen Folterlagern in der
Besatzungszone nach Kriegsende. Genauer bezog er sich auf Daten und gesammelte
Beweise über ein Folterlager in Bad Nenndorf : dem Wincklerbad. Fast ein Jahr
zog sich seine Recherche hin. Ein Jahr lang versuchte er immer wieder mehr zu
erfahren zu den ungeheuerlichen Vorkommnissen in der "Verbotenen
Stadt" und seinem widerrechtlichen Internierungslager.
Jedoch blocken die Behörden und staatlichen Stellen immer wieder ab, und
erschweren die Ermittlungen. Die Veröffentlichungen des "Guardian"
stützen sich unter anderem auf Erkenntnisse des Scotland Yard Inspectors Tom Hayward,
der den Meldungen zweier Ärzte, Major Morgan-James und Dr. Jordan, nachging.
Diese Beweise wurden durch das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium
verheimlicht, und bis zur Wiederentdeckung versteckt. Die Akten bleiben
weiterhin geschlossen die Fotos gesperrt. Angeblich seien erstere massiv
"asbestverseucht".
Nach 1947 schrieb ein britischer Minister in Bezug auf Bad Nenndorf und die
Folterungen im Wincklerbad die Notiz:"So wenig Menschen wie möglich
sollten darüber wissen, wie die britischen Behörden gehandelt haben. ..."
Die britischen Besatzungstruppen übernahmen am 01.April 1945 Bad Nenndorf von
den amerikanischen Besatzern. Sie vertrieben viele hundert Einwohner und
beschlagnahmten deren Eigentum. Rund um das Wincklerbad wurde ein Gürtel
gebildet. Den dort ansässigen Bürgern wurde ein Zeitfenster von 90Min.
eingeräumt, um sich zu nehmen was sie können und ihre Heime zu verlassen. Bei
Zuwiderhandlung drohten härteste Strafen und Einkerkerungen. Der Aufenthalt um,
in und bei dieser "Sicherheitszone" war unautorisierten Personen
strengstens verboten. Als bald bekam Bad Nenndorf den Titel "Das Verbotene
Dorf".
Das Wincklerbad im Zentrum wurde requiriert und umfunktioniert. Es wurde den
gängigen Gebräuchlichkeiten des neuen Verwalters, dem CSDIC (direkt dem
Verteidungsministerium unterstellter militärischer Geheimdienst ) , angepasst.
Z.B. wurden die Badinstallationen dieser Erholungsstätte herausgerissen, und
Folterinstrumente eingebaut. Bade- und Ruheräume zu Verhör-, Folter- und
Kerkerzellen umgebaut. Die Insassen sahen sich unter anderem folgenden
bestätigten Folterungen schutzlos ausgeliefert:
- Schlafentzug
- Aushungern bis zum Tode
- Kältezellen und Kaltwasser (z.B. in gekachelter
"Gefrierzelle" 2 Wochen lang alle 30Min. mit eiskaltem Wasser
begossen. Von morgens 4.30Uhr bis Mitternacht)
- schwere Schläge
- Streichhölzer unter Fingernägel
- Daumenschrauben
- Schienbeinschrauben
- zerquetschen der Hoden
- Bedrohung mit der Ermordung der Familie
- Bedrohung mit der Ausführung von unnötigen Operationen (z.B.
Amputationen)
372 Männer und Jungen, sowie 44 Frauen und Mädchen waren in dieser
Schreckensanlage eingepfercht. Es ist bekannt das der Militärgeheimdienst
geheime Verhörzentren (von der englischen Presse FOLTERZENTREN genannt)
betrieb, die selbst dem Roten Kreuz nicht bekannt gegeben wurden. Die
Internierten galten als "verschwunden".
Wer wurde eingesperrt ? Wer waren die Gefangenen ?
Zusammengepfercht, eingesperrt, misshandelt und teils bis zum Tode gefoltert
wurden unterschiedlichste Menschen :
- vom Lehrer bis zum Apotheker > Ziel: die Einkerkerung, Brechung und
gewaltsame Umerziehung der geistigen Kräfte.
- Ingenieure, Tabakimporteure wie Holzhändler > Ziel:
Wirtschaftsinformationen! Preisgabe von Handelswegen, Patentraub,
Besitzenteignungen.
- Jugendliche > Ziel: Brechung jedweden geistigen und körperlichen
Widerstandes, brutalste Umerziehung ( Angst der Besatzer vor dem Werwolf ).
- vermeintliche Nationalsozialisten > Ziel: Informationen über Abläufe,
Pläne, Freunde und Kameraden. Totale Gehirnwäsche. Erzwungene falsche
Geständnisse über angebliche Verbrechen.
- letztendlich : angebliche Kommunisten und Ostspione > Ziel: Informationen
über den schon früh erkannten und erklärten neuen großen Feind, den
Bündnispartner von einst.
Die unsäglich Gepeinigten sollen nicht länger in namenloser Vergessenheit
versunken sein. Einige Namen sind Bekannt.
Ermordet wurden:
- mittels Unterernährung und mangelnder Versorgung = Walter Bergmann ( er fiel
durch seine Russischkenntnisse auf )
- ebenfalls mittels Unterernährung = Franz Österreicher ( er war ohne gültige
Papiere im Sektor )
- erschlagen wurde = SS-Offizier Abeling
- u.v.w.
Opfer unmenschlichster Folterungen wurden:
- Heintz Beidermann , 20 Jahre / aus Stendal ( er musste vollkommen
ausgehungert bei Minustemperaturen in der Zelle liegen und wieder immer wieder
mit Hinrichtung bedroht )
- Gerhard Mentzel , 23 Jahre / Student : 8 Monate im Folterlager Wincklerbad
(durch Narben im Gesicht verunstaltet, massive Schwellungen, nicht in der Lage
zu sprechen, Lippen und Zunge aufgeschlagen und angeschwollen )
- u.v.w.
Der Gefangene Butlar, ein Antifaschist, wie er sich selbst bezeichnete, war
bereits von der Gestapo in Hamburg inhaftiert worden. Er wurde in das Lazarett
des Dr. Jordan eingeliefert, weil er versucht hatte sich das Leben zu nehmen in
dem er einen Löffelstiel verschluckte. er sagte später aus, er habe in 2 Jahren
Gestapohaft nie solche Behandlungen erlebt wie im Folterlager Wincklerbad zu
Bad Nenndorf.
Aber auch die Richter und Henker sollen sich nicht länger unter einem Mantel
des Schweigens verstecken können.
Einige der skrupellosen Täter:
- Robin Stevens ( genannt "Zinn-Auge" ), 45 Jahre alt /
Kommandierender ( Oberst einer indischen Peschawar Einheit. Hatte bereits
"Verhörerfahrungen" beim MI5 gesammelt )
- weitere 20 "Verhörspezialisten", davon 12 Engländer ( 3 Offiziere
und 9 zivile Übersetzer ). Die restlichen "Verhörer" waren u.a. Juden
aus Deutschland, Holland und Polen. Darunter der Jude Langhammer ( wanderte
bereits 1934 mit seinen Eltern aus Deutschland nach England aus ).
In einem Prozess der später stattfand wurden sowohl Stephens als auch
Langhammer freigesprochen. Als Bauernopfer wurde lediglich der Offizier Smith
verurteilt: wegen "Vernachlässigung" von Gefangenen musste er den
Dienst quittieren. Bei eben diesem Prozess wurde protokolliert das das
Wachpersonal den Befehl erhalten hatte die Inhaftierten durch gezielte
körperliche Angriffe dem physischen Zusammenbruch nahe zu bringen, um jene für
die Verhöre gefügig zu machen.
Quelle: www.gedenken-badnenndorf.info
Wincklerbad von Juni 1945 bis Juli 1947 britisches
Folterlager
Kommt zahlreich zum Gedenkmarsch nach Bad Nenndorf:
Datum: 01.08.2009
Treffpunkt:12 Uhr Bahnhofsvorplatz Bad Nenndorf
Uhrzeit: 12 Uhr Beginn der Veranstaltung
Thema: Gefangen - Gefoltert - Gemordet! Damals wie heute -
Besatzer raus!
Veranstalter: regionale freie Kräfte
E-Post: kontakt@gedenken-badnenndorf.info
Infos unter : www.gedenken-badnenndorf.info