US-"Friedenspolitik"
Bomben für die Freiheit anderer?

Die USA verstehen sich als weltweiter Bewahrer und
Überbringer von Frieden, Menschenrechten, Demokratie, Wohlstand und Freiheit.
Bei Betrachtung der über 70 Kriege und Interventionen, die die USA seit 1939
durchgeführt haben, fallen jedoch ganz andere Kriegsgründe auf! Um die
Geschichten von Demokratie, Freiheit usw. deutlich zu entlarven, sollte man
jedoch nicht nur die Kriege gegen Deutschland, Vietnam, Irak und Afghanistan
kennen. Darum werden in unregelmäßigen Abständen auf dieser Weltnetzseite
relativ unbekannte Kriegsschauplätze beleuchtet.
Operation Urgent
Fury, Grenada 1983
Grenada ist eine kleine Insel – so groß wie Dresden – in der
Karibik mit 90.000 Einwohnern. Dementsprechend betrug die Armeestärke 1985 auch
nur etwa 800 Mann.
Im März 1979 wurde die bisherige autokratische Regierung
Grenadas durch einen fast unblutigen Putsch gestürzt und eine sozialistische
Bewegung unter Maurice Bishop ergriff die Macht. Die große Mehrheit der Bevölkerung
des Kleinstaats unterstützte den Putsch und die neue Regierung, da umgehend
politische und soziale Reformen eingeleitet wurden, die Lebensstandard und
Mitbestimmungsrecht des gesamten Volkes verbesserten. Dadurch scheiterten aber
Versuche, zu den USA gute Beziehungen aufzubauen, woraufhin sich Grenada an
Kuba und die UdSSR annäherte.
Die politischen Veränderungen und vor allem die Freundschaft
zu Kuba (welches vor allem half, unter englischer Leitung einen Flughafen auf
Grenada zu bauen), waren den USA ein Dorn im Auge, was Ronald Reagan auch
öffentlich verkündete. Denn Grenada liegt direkt vor der venezolanischen Küste
mit ihren riesigen Ölfeldern, auf die US-Firmen seit langem ein Auge geworfen
hatten. So versuchte die US-Regierung mit Boykott und Isolierung Druck auf das
kleine Land auszuüben, was Grenada dicht an den Ruin brachte. CIA und US-Armee
übten Regierungssturz und Invasion. Doch die USA wußten, daß Revolutionsführer
Bishop im Volk sehr beliebt war und eine Invasion somit großen Widerstand in
der Zivilbevölkerung auslösen würde. Somit kam es den USA sehr gut gelegen, als
am 19.10.1983 parteiinterne Karrieristen gegen Bishop putschten und ihn
ermorden ließen. Eine Mithilfe der CIA ist möglich, konnte aber bislang nicht
bewiesen werden.
Nur sechs Tage später begann die US-Armee mit der Invasion
Grenadas! Offizielle Gründe waren die Ermordung Bishops und Angst um die auf
Grenada wohnenden US-Bürger sowie die Gefahr einer Einmischung Kubas.
Allerdings sind diese Gründe mehr als verwunderlich. Bishops Ermordung war ja
bereits von der CIA geplant; Kuba war mit Bishop verbündet und verachtete seine
Mörder; und die grenadinischen US-Bürger fühlten sich zu keinem Zeitpunkt
bedroht. Noch zweifelhafter wird die schnelle Invasion, wenn z.B. der US-Botschafter
in Paris öffentlich erklärte, daß die Invasion bereits eine Woche von der
Ermordung Bishops feststand. Also doch entweder CIA-Putsch oder generell
geplante Invasion!
Auch die „geplante kubanische Okkupation“ erwies sich
schnell als Lüge. Kuba wies Hilfegesuche Grenadas scharf zurück, kubanische
Bauarbeiter ergaben sich ohne Gegenwehr und die behaupteten Waffenlager wurden
nie gefunden.
Nach nur wenigen Tagen war der Kleinstaat durch die
Supermacht besiegt, neben 7 US-Soldaten mußten gut 100 Grenadiner ihr Leben
lassen, etwa 500 wurden verwundet. Sofort wurde eine USA-treue Regierung
eingesetzt, 3500 Staatsangestellte entlassen, hunderte Menschen verhaftet und
alle Sozial- und Entwicklungsprogramme eingestellt, mit Ausnahme des
Flughafenbaus.
Grenada hat keine kommunistische Regierung mehr, die die
Interessen der USA verletzen könnte. Das bezwungene Land wurde wieder das, was
es vor der Revolution war: eine kleine unbedeutende Insel in der Karibik. Doch
war die Souveränität der USA bedroht? Selbst die Vereinten Nationen sahen das
nicht so: sie verurteilten die Invasion der Supermacht in das kleine und
unbedeutende Land als völkerrechtswidrig! Mal wieder wurde das
Selbstbestimmungsrecht der Völker von den USA mit Füßen getreten.
Die Triebfeder amerikanischer Außenpolitik war noch nie von
irgendeiner Art von Moral bestimmt, statt dessen wurde sie von der
Notwendigkeit bestimmt, anderen Imperativen zu dienen.