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Geflügelhaltung in der BRD

Wenn man die Massentierhaltung in
Deutschland näher betrachtet, kann einem schnell der Appetit
vergehen. Um Kosten zu reduzieren, werden die Tiere oftmals unter
Qualen auf engstem Raum gehalten. Eine Legehenne hat gerade einmal die
Fläche eines Din-A4-Papiers zur Verfügung, und auch bei
Masthühnern sieht die Situation nicht besser
aus.
Im April 2006 beschloß der deutsche Bundesrat, Legebatterien in
Deutschland wieder zuzulassen. Dies ist ein klarer Sieg für die
Agrarlobby, die seit Jahren versuchte, das von der rot-grünen
Bundesregierung 2001 gesetzlich beschlossene Ende der Legebatterien in
Deutschland wieder rückgängig zu machen. Die nun wieder
zugelassenen Käfige heißen jetzt zwar offiziell nicht mehr
Legebatterien, sondern Kleinvolieren, ausgestaltete Käfige oder
Gruppenhaltung, am Prinzip der Legebatterie hat sich aber nichts
geändert.
Die deutschen Legebatteriebetreiber argumentierten, daß sie
gegenüber Konkurrenten aus anderen EU-Staaten, die laut
EU-Mindestrichtlinie die leicht vergrößerten Käfige
einsetzen dürfen, ins wirtschaftliche Hintertreffen gelangen
würden und aus dem Markt gedrängt werden könnten. Sie
kündigten unmißverständlich Betriebsverlagerungen und
damit Arbeits-platzverluste an. Die Politik konnte dadurch unter so
starken Druck gesetzt werden, daß sie das Legebatterieverbot nun
rückgängig machte. Und alles gegen den Mehrheitswillen des
Volkes, denn bereits im Jahre 1990 ergab eine repräsentative
Umfrage des Allensbach-Institutes, daß sich 85 Prozent der
Befragten für ein Verbot der Käfighaltung aussprechen.
Wirklich skandalös wird der Beschluß des deutschen
Bundesrats im Lichte des Urteils des deutschen
Bundesverfassungsgerichts von 1999. Die Zulassung der Legehennenhaltung
in Kleinvolieren (=ausgestalteten Käfigen) entpuppt sich
nämlich dann als Verfassungsbruch. Das Bundesverfassungsgericht
hatte 1999 geurteilt, daß Hennen ein Recht darauf haben,
scharren, picken und geschützt ihre Eier legen zu können. Die
Haltung in Käfigen sei demnach tierschutzwidrig.
Das nun neu verwendete Wort Voliere erweckt den Eindruck, daß die
Tiere in den neuen Käfigen fliegen könnten. Nur: Wie sollen
die Hühner das bei 50 bis 60 Zentimeter Käfighöhe
schaffen? Der „größere“ Platz, der dem einzelnen
Tier nun zugestanden werden soll, ist eine Handbreit und eine
Handlänge mehr als die vorherige DIN-A4-Größe pro Huhn.
Statt 550 cm² darf eine Henne sich zukünftig über einen
Platz von 800 cm² freuen.
Seit 2001 hätte die deutsche Geflügelbranche Zeit gehabt,
sich auf tierschutzwürdigere Haltungsformen umzustellen. Wenig bis
gar nichts passierte. Im Gegenteil: Die Legebatteriebetreiber bauten
von Anfang an darauf, das Legebatterieverbot noch kippen zu
können. Sie waren in keiner Weise bereit, die Übergangsfrist
zu nützen, und das Verbot zu akzeptieren. Vielmehr pokerten sie
hoch, und stellten die Politik vor die Wahl der Zerstörung der
deutschen Eierwirtschaft oder der Aufhebung des Verbots und sie
gewannen.
Nicht viel besser ist die Situation bei den Masthühnern. Sie leben
zwar nicht in Käfigen, aber auf die Stallfläche bezogen haben
sie in etwa den gleichen „Lebensraum“ wie die Hennen in
Legebatterien. Das Tierschutzgesetz sieht eine Besatzdichte von 30 kg
Huhn pro m2 vor, das sind etwa 20 Hühner pro m2 gegen Ende der
Mastperiode, also bei ausgewachsenen Hühnern – eine
ungeheuerlich hohe Zahl!
Masthühner werden auf schnellstes Wachstum gezüchtet. Sie
fressen und fressen und fressen - ob sie Hunger haben oder nicht - ihr
Sättigungszentrum im Gehirn ist durch Zuchtselektion
ausgeschaltet. Begünstigt wird das permanente Fressen durch
ständiges Futterangebot und permanente Helligkeit.
In nur 5 Wochen oder 35 Tagen Mastzeit müssen sie 1,6 kg auf die
Waage bringen, während gleichaltrige Legehühner erst im Alter
von 140 Tagen erwachsen werden. Die Knochen und Gelenke können dem
schnellen Brustmuskelwachstum nicht folgen und brechen unter dem hohen
Körpergewicht oder werden ausgerenkt. Es ist zwar Einstreu
vorgeschrieben, aber die wird meist nur einmal vor dem Einstallen
eingebracht und dann nie wieder ausgemistet - während des gesamten
Lebens der Tiere. Dadurch müssen die Hühner in ihrem eigenen
Kot leben, mit entsprechenden Konsequenzen für ihre Gesundheit.
Die Zucht auf schnellstes Wachstum, das fehlende Tageslicht und die
ammoniakgeschwängerte heiße Luft machen sie träge und
krankheitsanfällig. Zu schwache Knochen, abgeglittene Sehnen und
verkrümmte oder gebrochene Beine sind die Folge. Im
Tierschutzgesetz § 11 b Absatz 2 heißt es dazu: „Es
ist verboten, Wirbeltiere zu züchten (...), wenn damit gerechnet
werden muß, daß bei den Nachkommen (...) deren Haltung nur
unter Bedingungen möglich ist, die bei ihnen zu Schmerzen oder
vermeidbaren Leiden oder Schäden führen.“ Ein Kommentar
ist hier wohl überflüssig.
Wem auch nach dem Lesen dieses Artikels nicht gänzlich der Appetit
auf Geflügel oder Eier vergangen ist, der sollte zukünftig
genauer auf die artgerechte Haltung der Tiere achten. Auch wenn es
etwas teurer ist, gibt es oftmals die Möglichkeit, Geflügel
direkt auf einem Bauernhof zu erwerben, auf dem man sich dann auch ein
eigenes Bild von den Haltungsbedingungen machen kann.
Bei Eiern hilft die seit 2004 vorgeschriebene Kennzeichnungspflicht.
Vor allem auf die erste Ziffer kommt es an, denn sie informiert
über die Haltungsbedingungen: »0« steht für Eier
aus ökologischer Haltung, »1« für
Freilandhaltung, »2« für Bodenhaltung und
»3« für Eier aus Käfighaltung. Es liegt also an
jedem Einzelnen, hier entsprechend zu handeln und diese Produkte zu
meiden.

Hühner in Käfighaltung
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