Das Arbeiterheer
Die aus der Not geborene Flucht vom Land, vom eigenen Hof in
die Stadt wurde den Menschen als Befreiung verkauft. Die Stadt sollte der
Garant für Vielfalt und persönliche Entwicklung sein. Tatsächlich aber war das
Loslösen des Einzelnen von traditionalen Bindungen, wodurch der Individualismus
seinen Lauf nahm, keine Befreiung der Person, sondern diese versank in der
Anonymität der Masse. Die sogenannte Vielfalt ist bloße Ansammlung von
bedeutungsloser selbstverliebter Eitelkeit und rein quantitativem
Originalitätswahn. Gefangen in einer bürgerlichen Welt, lebt der Mensch nunmehr
fort als Individuum, einzig auf sein eigenes Vorankommen bedacht (auf den
Unterschied zwischen Person und Individuum werden wir an anderer Stelle näher
eingehen). Die Werte, die einst eine Gemeinschaft begründeten, verloren ihren
Sinn in einer von Liberalismus geprägten Welt, die den Einzelnen als
funktionales und zählbares Element kennt. Diese Entwicklung rief eine neue
Schicht, den Arbeiter, hervor, der sich in die bürgerliche Welt einfand und dem ihm gebotenen Platz in der
Gesellschaft als eigene Klasse annahm.
Die Begriffe „Arbeit“ und „Arbeiter“, wie wir sie verstehen,
meinen nicht eine soziale Schicht oder ein Abhängigkeitsverhältnis von einer
Person zu einem Unternehmen zur Deckung der täglichen Lebensbedürfnisse. Für
uns schließt die Arbeit das Tätigsein im produktiven Sinne zwar ein, geht aber
über das bloße Beherrschen der Materie hinaus. Der Arbeiter ist keine Gestalt
der Politik, Wirtschaft oder Kultur. Er ist ein neuer Typ Mensch, der die
Verbindung der Volksgemeinschaft zu den reinen, elementaren Kräften aktiv
gestaltet. Der Typus Arbeiter ist die Schnittstelle zwischen dem Einzelnen und
der Gemeinschaft. So, wie er sich einbringt mit seiner Faust, seinen Gedanken,
seiner Wissenschaft, seinem Glauben, so, wie er die Welt gestaltet, bedeutet er
für die Gemeinschaft mehr, als die moderne Welt heute mit ihren abstrakten und
technischen Vorstellungen vom Arbeiter ihm zugestehen will.
Die heutige Welt kennt nur Arbeiter, die wie Rinder
nebeneinander in einem Stall stehen. Sie werden entsprechend gefüttert, damit
sie produzieren, bis der natürliche Alterungsprozeß sie dafür unbrauchbar
macht. Sie besitzen keine Eigenart, sondern sie sind eine anonyme Ansammlung von
Individuen. Auf der Erkenntnis, daß sie untereinander austauschbar sind,
beruhen der Liberalismus und durch ihn begründete Staatsformen, die
ausschließlich gleiche Rechte und Pflichten für die Masse Mensch anerkennen.
Die persönlichen Freiheiten, die dieser „Ichkult“ meint, für das einzelne
Individuum erkämpft zu haben, gehen Hand in Hand mit der Lösung der
Gemeinschaftsbindung im höheren Sinne und einer wachsenden inneren Armut.
Die moderne Welt hat keinen Raum für den Geist; sie denkt
nur in Zahlen. Der Arbeitnehmer läßt sich von ihr in Dienst nehmen, wird zu
ihrem Werkzeug, nur um in völliger Gleichgültigkeit an der Entwicklung von
Industrie und Maschine mitzuwirken. Die Wissenschaft, die dadurch meint, die
Materie beherrschen zu können, ist bemüht, durch fortschreitende technische
Entwicklung ihre eigene Rechtfertigung zu schaffen. In bestimmten Kreisen
herrscht heute eine gewisse Euphorie in bezug auf die fortschreitende
technische Entwicklung, die im Zusammenhang mit einer um sich greifenden
Globalisierung alleine die Voraussetzung für allgemeinen Wohlstand bedeuten
soll (wir weisen darauf hin, daß dieser humanitär-soziale Mythos bereits im
Zuge der Industrialisierung um sich griff, die sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Krisen sich jedoch zuspitzten). Die Spezialisierung, die den
Arbeitern aufgedrängt wird, macht diese zu „Technikern“, weit davon entfernt,
Handwerker zu sein wie ehedem, wodurch sie zu Knechten der Maschine werden. Der
Fortschritt kennt bloß noch das mechanische Wiederholen von vorgeschriebenen
Bewegungen, darauf ausgerichtet, eine größtmögliche Menge in kürzester Zeit zu
erzeugen.
Es ist eine seltsame Zeit, in der immer mehr Menschen sich
an die mühevollsten Arbeiten fesseln und zum Erwerb von Dingen, die vollkommen
nutzlos sind, überreden lassen. Denn die moderne Wirtschaft duldet nun mal
nicht, daß Menschen lieber weniger arbeiten und für ihren Lebensunterhalt mit
Geringerem zufrieden sind. Das erschaffen von Werten, die nicht zählbar oder zu
wiegen sind, gilt heute nicht als Arbeit. Immer mehr Menschen bilden sich auch
ein, daß der äußere Wohlstand, den der neuzeitliche Fortschritt in ihr Leben
bringt, eine Freude sei. Sie geben sich dem Irrglauben hin, daß sie glücklicher
als frühere Generationen sind, da ihr Leben schneller, bewegter und
komplizierter ist. Die moderne Welt indes vermag es, ständig neue Bedürfnisse
zu erwecken und diese zu steigern, so daß der heutige Mensch glaubt, diese
Bedürfnisse durch „Geldverdienen“ befriedigen zu können. Hierbei wird deutlich,
daß heute jegliche Tätigkeiten einem nur wirtschaftlichen Zweck folgen, der mit
Arbeit im höheren Sinne nichts gemein hat. Der dadurch entstehende Wettbewerb,
der „Kampf ums Dasein“ der Individuen untereinander, ist geeignet, die
bürgerliche Welt der Klassen zu festigen und ihr den Anschein einer natürlichen
Ordnung zu geben. Sowohl Länder, Staaten, politische Systeme, Geschlechter,
Einrichtungen, Berufe sind dem ausgesetzt, was heute Globalisierung genannt
wird und die Folge des Individualismus ist, der in sämtliche Lebensbereiche
vordringt. Für den Einzelnen ist es heute beispielsweise einfacher, in Parteien
und Verbände, die den Anspruch erheben, gegen diese Entwicklung vorzugehen,
ein- oder auszutreten, als seinen Telefon- oder Stromanbieter zu wechseln.
Die Masse, die darunter leidet, weil ihre Arbeit aufgrund
der wirtschaftlichen Entwicklung keinen Wert mehr bedeutet, ist nicht in der
Lage, eine Änderung durchzusetzen, da sie bloß die Summe von Individuen
darstellt, die in dieser modernen Welt verhaftet sind. Die Bündelung heimatlos
gemachter Arbeiter in Gewerkschaften stellte nur die Reaktion von Arbeitnehmern
auf die materialistische Welt der Arbeitgeber dar. Die Streiks und
Demonstrationen hinterlassen den Anschein, daß es nur um Tarife, Arbeitsrecht
und Lohnerhöhungen gehe. Es handelte sich eben nur um Reaktionen und Proteste,
nicht um Aktionen, um Gestaltung der inneren Kräfte, nicht um ein Zentrum,
welches die Rechte und Ehre eines neuen Typus schafft. Es ist keine politische
oder wirtschaftliche Frage, es ist eine Frage des Geistes.
Die moderne Welt der Technik und Mechanisierung, in der das
Elementare anfängt sichtbar zu werden und in der Werkzeug und Technik, vom
Menschen geschaffen, um die Natur zu beherrschen, sich allmählich gegen den
Menschen wendet, dehnt sich in zerstörerischer Weise aus in alle
Lebensbereiche. Als Antwort auf diese Tatsache ist es nötig, daß sich ein neuer
Typus Mensch heranbildet. Eine Gestalt, die bereit ist, sich der
Auseinandersetzung mit der zerstörerischen Mechanisierung und der dahinter
stehenden Ideologie zu stellen und eine neue Ethik und Weltanschauung zu
schaffen.
Es ist die Aufgabe, einen heute in seinem Wesen entrechteten
und wirtschaftlich ohnmächtigen Stand in die Gemeinschaft des Volkes
zurückzuholen und dem Arbeitertum neuen Sinn und Inhalt zu geben. Nur durch die
Schaffung einer Ganzheit des Volkes im höheren Sinne kann die Schöpferkraft des
Arbeiters neu erweckt und die Macht zur Gestaltung wiedererlangt werden. Nicht
der Beschäftigte, der einer inhaltlosen Tätigkeit nachgeht, sondern der
Arbeiter erkämpft der Gemeinschaft ein Lebenselement. Arbeit bedeutet Ordnung;
Konstruktion als Teil der Arbeit ist Kunst. Die hohe Bedeutung dieser Aussage
in einem Volksstaat erkennt man beispielsweise daran, daß von seinem Oberhaupt
der erste Spatenstich beim Bau einer Autobahn oder die Setzung des Grundsteins
eines neuen Bauwerkes vorgenommen wird.
Die Bindung der Arbeit an den Staat erfolgt durch die
Zusammenkunft ihrer Träger in Zünften und Korporationen. Diese sind beseelt von
einem soldatischen Geist, der Lebensgemeinschaften begründet, die über das
materielle und egoistische Denken hinausgehen. Die Ehre dieser Gemeinschaften
besteht darin, daß der Einzelne zurücktritt und dadurch die Arbeit, die
geschaffenen Werte im Vordergrund stehen. Im Rahmen dieser natürlichen Ordnung
ist der marxistische Gegensatz von Kapital und Arbeit vollkommen undenkbar. Es
besteht vielmehr ein Gegensatz zwischen der modernen Welt, die nur Tätigkeiten
kennt, welche von materiellen Aspekten bestimmt werden und einer traditionalen,
die die Arbeit als höheres Prinzip auffaßt. Die moderne Welt kennt körperliche
Tätigkeit als Erniedrigung und Strafe, die traditionale kennt Arbeit als Ehre
und Bestimmung.
In den Großstädten warten heute viele Menschen darauf,
großen internationalen Unternehmen als billige Arbeitskräfte zur Verfügung zu
stehen. Freiwillig konkurrieren sie miteinander und haben dabei nur ihre
eigene, persönliche Situation im Blick. Im Rahmen der „Volkswirtschaft“ tragen
sie zum Erfolg heimatloser Großkonzerne bei. Diese sinnfreie Existenz sich
selbstübervorteilender Einzelindividuen wird für die meisten von ihnen in einer
inneren Leere enden. Erst mit der Schaffung eines Arbeiterheeres, daß als
Grundpfeiler Pflichtbewußtsein und Disziplin anerkennt und dem höheren Gut der
Volksgemeinschaft zu Diensten ist, wird auch dem Einzelnen die ihm gebührende
Ehre als Arbeiter zuteil werden. Dieses Arbeiterheer wird das ganze Volk mit
seiner ständischen Ordnung durchziehen und ihm Stabilität geben. Der Arbeiter
als Typ und Person folgt seiner Bestimmung und fügt sich ein in die
staatspolitische und kulturelle Höherentwicklung der völkischen
Lebensgemeinschaft.
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