So wie das Arbeiter- oder Bauerntum entspringt auch das
Soldatentum den gleichen Gedanken an Disziplin und Pflichtbewußtsein. Es folgt
höheren Prinzipien und steht über den Abnormitäten dieses materiellen
Zeitalters.
Das 20. Jahrhundert hat von unserem Volk einen höheren
Blutzoll gefordert, als dies jemals zuvor der Fall gewesen ist. Und ob es dem
einzelnen Soldaten bewußt war oder nicht, er wurde tätig als geschichtliches
Werkzeug, das durch alle Zeiten hindurch teil hat an der Volkwerdung selbst.
Der Soldat beugt sich seinem harten und unausweichlichen Schicksal und
vollzieht den Sieg seiner Gesinnung. Dadurch verdient er die tiefste Ehrfurcht
der Zurückgebliebenen, und je mehr der Schmerz aus dem Verlust vernarbt, geht
der Gefallene in den Mythos unseres Volkes ein. Er ist dann nicht mehr
derjenige, der er im Kreis seiner Familie und Freunde war, er wird zu einem
Sinnbild höherer Ordnung.
Diese soldatische Gesinnung entstammt dem tiefen Gedächtnis
der indogermanischen Völker. Gerade in Krisenzeiten ist sie in zwar
unterschiedlichen Formen, aber immer mit der ihr eigenen Macht in Erscheinung
getreten. Das europäische Rittertum, daß im Gegensatz zum Lehensadel nicht an
ein bestimmtes Territorium und einen Fürst als Person gebunden war, folgte
einer ihm eigenen Ethik. Diese natürliche Gemeinschaft der Ritter verfügte über
eine geistige und universale Autorität und vertrat die Werte Ehre, Wahrheit,
Mut und Treue. Ihre Autorität war stets mit dem Reich verknüpft und so waren
sie die Vertreter eines höheren Prinzips. Im Gegensatz zum Klerus verfügte das
Rittertum und mit ihm die großen Ritterorden über eine eigene, ihm innewohnende
Kraft, mit der ein neuer Ritter geweiht werden konnte. Diese Ritterweihe
entspricht der indoarischen Tradition von der rituellen Einweihung in eine
Kriegerkaste.
Als im 16. Jahrhundert das Rittertum seinem Ende entgegenging, verschwanden keinesfalls seine Werte aus dem Volk. In der Hanse,
die zunächst aufgrund kaiserlicher Ohnmacht als Handelsorganisation gegründet
wurde, vereinigten sich bald von Brügge bis Nowgorod 75 Städte in einem
Trutzbündnis, um mit hoher sittlicher Kraft kolonisatorische Tätigkeit
auszuüben.
Der Dreißigjährige Krieg raffte dann in Deutschland, wie
zuvor in Frankreich die Hugenottenkriege, bestes Volkstum dahin. Ganze
Landstriche waren entvölkert, das Bauerntum dahingemordet und doch wurden in
Niedersachsen und vor allem in Preußen, der indoarischen Gesinnung folgend, die
Grundsteine zu einem neuen Wiederaufstieg gelegt. Wie in den Sagen von einem
übermenschlichen Königtum, vertrat Friedrich der Große dieses höhere Prinzip.
Aus seinen Briefen erkennt man die Geisteshaltung, die ihn zu seinen Taten
bemächtigte. „Vielleicht ist Preußens Schicksalsstunde gekommen, vielleicht wird
man ein neues despotisches Kaisertum erleben. Ich weiß es nicht. Aber ich bürge
dafür, daß es dazu erst kommen wird, nachdem Ströme von Blut geflossen sind,
und daß ich nicht mein Vaterland in Ketten und die schmachvolle Sklaverei der
Deutschen mitansehen werde,“ schreibt er 1759 an Luise Dorothea von Gotha.
Bereits am 17.9.1757 fragt er seine Schwester: „Wie kann ein Fürst seinen
Staat, den Ruhm seines Volkes und die eigene Ehre überleben?“
Diese preußische Geisteshaltung wurde vom frederizianischen
Offizierstypus vertreten und wurde so im 1. Weltkrieg zum Sinnbild des
unbekannten Soldaten.